7 Wegweiser in die neue Arbeitswelt

New Work ist mehr als die Summe von ein paar innovativen Ansätzen in der Arbeitswelt. New Work ist eine Haltung.

7 Prinzipien, die Unternehmen und Mitarbeiter für die neue Arbeitswelt wappnen.

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© Pexels/Gratisography

Alles dreht sich, alles bewegt sich. Wir sind auf einer Straße unterwegs, die noch nie befahren wurde und von der wir nicht wissen, wohin sie führt.  Die vierte industrielle Revolution ist in vollem Gange. Disruptive Start-ups erschüttern die traditionellen Märkte mit ihren Innovationen. Wir zahlen mit Bitcoins, fahren mit Elektroautos und lassen uns Ohrringe, Organe, Möbel und Häuser vom 3D-Drucker herstellen. Etablierte Unternehmen schwanken zwischen Unglauben, Druck und Tatendrang. Zerstöre dich selbst, ehe es ein anderer tut, empfiehlt so mancher Experte. Unsicherheit wird im 21. Jahrhundert zur Handlungsmaxime. Das betrifft auch die Arbeitswelt massiv. 

  

 

Der digitale Wandel macht eine Neuverortung des Menschen als Leistungsträger notwendig. Mit behäbigen Hierarchien und starr bürokratisierten Strukturen fahren Unternehmen in volatilen Märkten schneller an die Wand als der nächste Bilanzbericht fertig ist. Nicht nur die die Arbeitsprozesse und Informationsflüsse müssen neu gestaltet werden, auch die Beziehungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter, unter den Kollegen.

Ich persönlich sehe New Work nicht nur als ein diffuses Sammelsurium neuer Ansätze und Methoden - ein bisschen Partizipation hier, ein virtuelles Meeting da, ein schickes Großraumbüro mit Kuschelecke dort.

New Work ist mehr als ein Sammelsurium von punktuellen Innovationen, von denen ich in diesem Blog jede Menge vorstellen möchte.

New Work ist eine Haltung.

 

Diese sieben Prinzipien machen meines Erachtens New Work in ihrem besten Sinne aus:

 

1. Unsicherheit ist eine Chance:

Kürzlich sprachen die WU-Professoren Jan Mendling und Alexander Kaiser auf der Veranstaltung "WU matters. WU talks" über die Unsicherheit. Ihr Tenor: Das Business ist mit ständiger Unsicherheit konfrontiert und es sei Zeit, sie als Chance zu erkennen. Mendling meint: Die Bedürfnisse der Menschen bleiben dieselben, nur die Ideen, Produkte und Geschäftsprozesse verändern sich.  Kaiser propagiert für Unternehmen das "Lernen aus der Zukunft" neben dem "Lernen aus der Vergangenheit", um einen unverstellten Blick auf Innovation zu ermöglichen. 

 

2. Der Mitarbeiter ist immer ein Gewinn:

Auch wenn viel von Robotisierung die Rede ist, der Mensch wird das Zentrum der Neuen Arbeitswelt. Der Unternehmenserfolg hängt künftig von der Kreativität, der Innovationsfähigkeit und der Flexibiliät seiner Mitarbeiter ab. Die Tendenz mancher Firmen, Mitarbeiter zu verheizen, noch mehr Arbeit auf weniger zu verteilen oder Arbeitskraft mit Lohndumping auszubeuten (Stichwort Crowdworker), sind die Schattenseiten der Arbeitswelt, die den Unternehmen langfristig selbst schaden. Innovativ sind jene Unternehmen, die ihre Mitarbeiter als Gewinn sehen und sie auch so behandeln.

 

3. Der Mitarbeiter ist mündig:

Die Einstellung aus Zeiten der industriellen Revolution, der Mitarbeiter sei ein weisungsgebundener Befehlsempfänger, produziert Dienst nach Vorschrift. Ein erwachsener Mensch wählt seinen Wohnort, seinen Job, seinen Partner. Er wägt ab und entscheidet. Warum sollte er das nicht auch in seiner Arbeit tun? Mitarbeiter werden im Rahmen von New Work als sehr wichtige Lösungsgeber gesehen, als mündige und verantwortungsvolle Mit-Entscheider. Das impliziert auch: Der Mitarbeiter organisiert sich selbst, sagt offen, wenn der Schuh drückt und traut sich, nein zu sagen. Möglich ist das natürlich nur in einer offenen Gesprächs- und Fehlerkultur, die nicht bestraft.

 

4. Leadership macht frei

Allianz-Chef Oliver Bäte kam mit roten Sneakers auf die Hauptversammlung, Daimler-Chef Dieter Zetsche verzichtet auf die Krawatte. Das ist an Symbolkraft kaum zu überbieten. Siemens-Chef Joe Kaeser schaffte den Dresscode im Konzern gänzlich ab.  Das wirkt erst einmal aufgepfropft und reicht noch nicht, um New Work ins Unternehmen zu holen, ist aber doch ein erster Schritt.  "Moderne Unternehmensführung funktioniert nicht mehr mit Druck von oben nach unten. Eine neue Kultur zeichnet sich durch Freiräume, Kooperation, Wertschätzung und Vertrauen aus", schreiben Thilo Leipoldt und Markus Schwemmle im Buch "Leadership für eine neue Zeit". Zetsche hat seinen Führungskräften eine neue Führungskultur angeordnet - das ist erst einmal ein Widerspruch in sich, doch den ersten Anstoß zur Veränderung muss von oben kommen oder zumindest mitgetragen werden.  

 

5. Sinn ist der Motor für Motivation

Was früher ein Abstieg war – vom Banker zum Greißler, vom PR-Chef zum Blogger, von der Marketingleiterin zur Biobäurin – ist heute erstrebenswert. Es fasziniert, wenn ein TV-Moderator Tobias Schlegl verkündet, er wolle sich nun dem Retten von Menschenleben widmen und  Notfallssanitäter werden. Immer mehr Menschen wollen selbstwirksam sein, in einer komplexen Welt etwas bewirken, Einfluss haben – und zwar abseits von Status und Geld. Unternehmen, die ihren Mitarbeitern nicht den konkreten Sinn ihrer Tätigkeit und den höheren Sinn des Unternehmens selbst vermitteln, verlieren sie - physisch oder mental. Die Mitarbeiter kündigen oder machen Dienst nach Vorschrift. 

  

6. AI ist dein Freund

Artificial Intelligence wird derzeit vorwiegend als Bedrohung wahrgenommen. Roboter nehmen uns künftig die Arbeitsplätze weg, weissagen Zukunftsstudien. Das ist wohl nicht von der Hand zu weisen, aber: Möglicherweise gewinnen wir auch etwas dadurch. Freiraum zum Beispiel. Neue, spannendere Aufgaben, für die Kreativität und Intuition gefragt ist, also all das, wo Roboter uns unterlegen sind. Luis Alvarez, CEO von BT Global Services, meint sogar im Interview mit der FAZ: Künstliche Intelligenz wird sogar den CEOs der Zukunft Entscheidungen abnehmen, damit diese sich "menschlicheren" Dingen widmen können, wie zum Beispiel dem Kundenkontakt. Die Frage ist nur, wie man die Arbeitslosigkeit in den unteren Bildungssegmenten abfedern kann, auch dazu braucht es neue Ansätze (Stichwort Mindestlohn und Gemeinwohlökonomie).

 

7. Wichtigste Skill: Kenne dich selbst

Das Neue Arbeiten – mobil, flexibel, selbstorganisiert - stellt den Menschen vor neue Herausforderungen: Nie war es wichtiger, sich selbst, die eigenen Grenzen besser zu kennen wie heute. In Zukunft wird es noch wichtiger, Selbstverantwortung zu übernehmen, proaktiv zu handeln und Arbeitsprozesse aktiv mitzugestalten. Der Mensch muss selbstbestimmter, selbstwirksamer und selbstverantwortlicher werden - im Job, aber auch bei der Jobsuche. Wenn die Welt da draußen immer komplexer und schnelllebiger wird, sind wir selbst die einzige Konstante, auf die wir bauen können. Das bedeutet: Wir müssen uns selbst kennenlernen, unsere Stärken und Schwächen. Und uns unsere Jobs im Bestfall nicht nur selbst beschaffen, sondern auch gleich selbst kreieren. 

 

Nicole Thurn

 

 

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Nicole Thurn

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