Glossar: Von A wie Agility bis H wie Holacracy

Die wichtigsten Begriffe in der neuen Arbeitswelt.

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Da die neue Arbeitswelt, New Work, Arbeiten 4.0 oder wie auch immer man das Neue, Innovative, Andere  nennt, doch recht diffus und vage daherkommt, gibt es an dieser Stelle ein wenig Begriffskunde. Verschiedene Konzepte und Ansätze werden derzeit von Pionieren vorgelebt und sickern nach und nach in die Arbeitswelt ein. In Zukunft werden diese Schlagwörter in der Arbeitswelt wohl ganz normal und üblich werden: 

Agility: Das große Schlagwort des 21. Jahrhunderts. Firmen, Menschen alles muss agiler werden, um mit den komplexen, schnelllebigen Veränderungen mithalten zu können. Die Unternehmensberatung McKinsey hat in einer globalen Studie unter 1000 Unternehmen und 2 Millionen Befragten untersucht, was Unternehmen erfolgreich macht. Erst Agilität, also die Kombination von schneller Reaktion auf sich verändernde Gegebenheiten und Stabilität, sorgt für die Gesundheit der Organisation. Als agil stellten sich nur 12 Prozent der untersuchten Unternehmen heraus, 58 Prozent waren durchschnittlich, 22 Prozent langsam und 8 Prozent einfach nur schnell - also stark wachsende Start-ups ohne jegliche Stabilität. Auch nicht erstrebenswert.

 

Bleisure (siehe auch unter Work Life Blending): Arbeit und Freizeit verschmelzen zunehmend, von der Digitalisierung beflügelt. Wir sind überall erreichbar, ob wir wollen oder nicht, checken eMails im Bett und am Strand, machen Team Calls im Wohnzimmer und Skype-Interviews auf der Terrasse. Bleisure ist gleichzeitig Fluch und Chance: wir können unser Leben selbstbestimmter gestalten, müssen aber aufpassen, uns nicht zum Spielball von allzu übergriffigen Vorgesetzten machen zu lassen. Daher: regelmäßiges Digital Detox und ab in die Natur.

 

Co-Working Space: Sie sprießen aus den urbanen Böden wie die Schwammerln. Gemeinschaftsbüros, in denen Einzelunternehmer und Start-ups sich mit Gleichgesinnten vernetzen und miteinander kooperieren. Das Credo: Less isolation, more fun and collaboration. 

Crowd-Innovation: Unternehmen setzen bei Innovation zunehmend auf externes Know-how - da redet dann etwa bei der Produktentwicklung der Kunde mit. Für das Unternehmen ist das quasi Marktrecherche und Produkttest in einem. Interessant: Solche Crowd-Innovatoren wollen zunehmend entlohnt oder erfolgsbeteiligt werden. Entsteht da eine neue Ebene der Mitarbeiterschaft?

 

Disruption: Das beunruhigt so manchen Top-Manager, andere verdrehen gelangweilt die Augen: Nahezu jede Branche, jede Sparte wird in Zukunft von disruptiven Geschäftsmodellen aufgewirbelt und sogar zum Teil zerstört werden. Überall kann ein Uber, ein Airbnb oder ein Tesla lauern. Credo, um in der neuen Arbeitswelt muss daher sein: Zerstöre dich selbst, bevor es ein anderer tut. Auch wenn viele Manager und vor allem Eigentümer das nicht so gern lesen.

 

Entgrenzung: Philosophisch gesehen führt die Entgrenzung zum Gefühl der Unsicherheit und Instabilität. Sicher mit ein Grund, warum der Ruf nach starken Männern wieder lauter wird und diese auch wieder an die Macht kommen. Die Grenzen schwinden - zwischen Ländern durch die Globalisierung, zwischen Unternehmenssparten, weil neue Hybridkonzepte entstehen und zwischen Arbeit und Freizeit, wie es eben auch Bleisure beschreibt. Menschen arbeiten in der Wissensgesellschaft zunehmend, wann und wo sie wollen - mobil, im Büro, im Home Office. Und sie arbeiten an kleineren, befristeten Projekten. Auch die Rolle der Mitarbeiter wird entgrenzt: Man hat nicht mehr nur mehr eine Funktion inne, sondern mehrere projektbezogene Aufgaben. Das kann sogar bedeuten, dass man im Projekt A einfacher Mitarbeiter ist, parallel im Projekt B aber Projektverantwortung hat. 

 

Fragmentierung: Das bezeichnet die Zergliederung der Arbeitsschritte, die dann zum Teil outgesourced oder automatisiert werden.

 

Genossenschaft: Ein altes Modell erlebt eine Renaissance: Einzelunternehmer schließen sich zur Genossenschaft zusammen, arbeiten als Angestellte, entscheiden autark (bzw. Vorstands- oder Steuerungsteams entscheiden). In der Berliner Agentur Dark Horse arbeiten und entscheiden etwa 30 Personen gleichberechtigt.

 

Holacracy: Wer braucht schon einen Chef? Der Ansatz Holacracy (Holakratie) von Brian J. Robertson macht jeden einzelnen Mitarbeiter zur Führungskraft und schafft Hierarchien de facto ab. Die Unternehmensorganisation wird über selbstorganisierte Teams gesteuert, die Entscheidungen werden mehr oder weniger basisdemokratisch und lokal (alle Stimmen zählen, Gremien entscheiden etc.) getroffen. Arbeitsprozesse und Organisationsstruktur unterliegen einem ständigen Update. Alle Regeln und Bestimmungen sind transparent für alle sichtbar. Robertson ist nicht nur Management-Vordenker, sondern hat Holacracy auch in seinem Software-Unternehmen umgesetzt. Ein Beispiel für erfolgreich umgesetzte  Holakratie ist die US-Firma Zappos, die deutsche Firma Hauffe-Umantis oder der Wiener Technik-Dienstleister Tele Haase.

 

Nicole Thurn

 

 


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Nicole Thurn

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