"Viele sind bereits an ihre Grenzen gestoßen"

Führungskräfte benötigen heute andere Skills als noch vor Jahren. Das verändert auch die Weiterbildungen. Was die WU Executive Academy in ihrem "Pioneers"-Programm anders macht, erklärt Dekanin Barbara Stöttinger.

Barbara Stöttinger; WU Executive Academy
Barbara Stöttinger: Schlechte Führung führt zu schiefen Tönen ( © Sebastian Freiler)

Die Zukunft braucht Leader statt Manager. Menschen die zuerst einmal sich selbst führen können, bevor sie ihre Experimente mit anderen wagen. Und auch wenn meine zittrigen Finger hohle Buzzwords kaum mehr zu tippen vermögen, kommen sie jetzt - Achtung - in voller Pracht: New Leadership braucht Achtsamkeit, Empathie und Bereitschaft zur Veränderung. Wie die Managerschmiede der Wirtschaftsuni Wien, die WU Executive Academy, Führungskräfte mit einem neuen Leadership Programm "Pioneers of the 21st Century" fit für die Zukunft machen will, erzählt Dekanin Barbara Stöttinger.

 

New Work Stories: Frau Dekanin, was ist denn am bisherigen Leadership sagen wir mal: schwach?

Barbara Stöttinger: Ich würde das so nicht sagen. Wir haben in vielen unserer Programme Leadership als Komponente drin. Was wir mit unserem neuen Lehrgang tun wollen, ist, zwei Wege zu gehen. Wir haben Bewährtes aus bestehenden Programmen genommen und Neues dazugefügt, wor wir denken, dass in Zukunft viel mehr notwendig ist. Als Führungskraft steht man schon heute vor ganz anderen Herausforderungen in der sogenannten VUCA-Welt. Was ich so wahnsinnig schwierig finde, ist die Unberechenbarkeit in allen Bereichen. Bei den politischen Rahmenbedingungen etwa braucht man sich die Veränderungen in der US-amerikanischen Politik mit „America First“ anschauen. Da können sich Rahmenbedingungen für Unternehmen von einem Tag auf den anderen dramatisch ändern: etwa Zugangsbeschränkungen zu den Märkten oder steuerrechtliche Regelungen. Oder die digitale Transformation: niemand weiß genau, wohin die Reise geht. 

 

Welche Fähigkeiten braucht es da konkret?

Wir haben gesagt: back to the basics. Man braucht natürlich ein Wissen, wie Führung funktioniert. Man muss sich auch auf sich selbst besinnen. Wie kann ich mein Team, meine Organisation durch solche Zeiten führen? Das sind Qualitäten, die Pioniere brauchen. Wir haben auch einen Astronauten als Symbol für unser Programm gewählt. Oder die Ersten, die zum Nord- oder Südpol gegangen sind, in eine ungewisse Zukunft, auf die sie sich zwar in gewissem Sinne vorbereiten konnten,  Pioniere haben eine neue Welt entdeckt, aber auch wussten, dass vieles sie erwarten wird, was nicht planbar ist. Da braucht es Mut, man muss sich auf sich selbst verlassen können und sich ganzheitlich als Person sehen.  Es geht nicht nur darum, was muss ich im Kopf, im Blick haben, kognitiv. Sondern darum, auf sich selbst zu achten, mit sich und den Mitarbeitern achtsam zu sein.  Diese Qualitäten sind nicht total neu, aber der Fokus ist ein anderer. Man muss den Zustand der Unsicherheit akzeptieren und darüber im klaren sein: ich kann als Führungskraft noch so gut sein, ich muss mich den Unsicherheiten stellen. Mut in Neuland zu begeben, wo Rückkehr ungewiss ist.

 

Wir sind ja alle durch das Bildungssystem sozialisiert. Mut ist ja nicht gerade das, was bisher gefördert wurde. Wie kann man ihn bei einem erwachsenen Menschen wecken?

Ich glaube nicht, dass solche Fähigkeiten früher nicht vorhanden waren, der Schwerpunkt war eben ein anderer. Früher wurden Sie als Führungskraft dafür bezahlt, strategisch zu denken und die Zukunft vorherzusehen. Ich glaube, wir müssen nicht aus Nicht-Mutigen Mutige machen. Führungskräfte mussten immer schon vorausschauend denken, mussten immer schon mutig sein, denn die Zukunft war immer ungewiss. Heute geht es darum, sich  in diesem noch unsicheren Umfeld noch mehr darauf zu besinnen. 

 

In dem Lehrgang geht es auch stark um Selbstführung. Worum geht es da genau?

Die Frage ist: wie kann man turbulente zeiten selbst überstehen? Man kann sich auf nichts mehr konzentrieren, man kann schwer Dinge voraussehen. Wie geht es einem selbst, der noch vor fünf Jahren ganz anders gearbeitet hat? Es geht darum, zu lernen, auf sich selbst zu schauen.

 

Auch die Themen emotion und body kommen im Lehrgang vor: das hätten viele vor zwei, drei Jahren noch esoterisch gefunden. Solche Themen dürfen offenbar nun auch Platz haben?

Ja. Es geht darum, mit allen Sinnen zu erfahren. Als Führungskraft ist man nicht nur rational über die Kommunikation gesteuert und sagt den Leuten, was sie tun sollen. Wir wollen einen ganzheitlichen Ansatz, wir bieten etwa das Leadership Orchester: Die Teilnehmer hören ein Stück von Mozart und entwerfen dazu eine Vision. Dann dirigieren sie die Musiker und übertragen ihre Emotionen auf sie. Die Musiker melden das zurück, sagen beispielsweise, hier haben sie eine Unsicherheit gespürt oder sie haben überhaupt keine Vision zum Stück wahrgenommen. Der Teilnehmer selbst spürt, was ihm gut gelungen ist und was nicht. Das ist eine ganzheitliche Erfahrung von Führung. Wir müssen in komplexen Situationen all unsere Sinne einsetzen. Wir arbeiten auch mit einem ehemaligen Mönch zum Thema Mindfulness zusammen, der zeigt, wie muss man mit sich umgehen. Das Programm hat viele bekannte Elemente, aber der Fokus, die Zusammensetzung ist neu.

 

Viele Führungskräfte haben massiven Druck, da bleibt wenig zeit für Selbstreflexion und Achtsamkeit. Welche Tipps haben Sie für den Joballtag?

Das Wichtigste ist, sich dessen mal bewusst zu werden und zu fragen: wieviel passt in diesen Tag noch rein? Viele sind bereits an ihre Grenzen gestoßen. Hier muss sich etwas ändern. Da geht es darum, mal auf einfache Dinge zu achten, sich nur auf den Frühstückskaffee zu fokussieren und sonst nichts. Oder abends darüber zu reflektieren, was gut gelaufen ist - daran denken wir oft zu wenig. In so einem Programm ist Platz für Reflexion. Man kann Dinge neu betrachten und sich Anregungen holen, um mit den Herausforderungen in turbulenten Zeiten umzugehen.

 

 

Pioneers of the 21st Century: Der ganzheitliche Leadership-Lehrgang für (angehende) Führungskräfte startet in 5 Modulen im Oktober 2017. Bis 30. Juni gibt es noch ein Early Bird Ticket um 10.850 Euro. 

Weitere Infos gibt es hier.

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Nicole Thurn

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