Arbeitsplatz der Zukunft: Selbstbestimmt auf "Cloud Number 9"

Self-Service, Kollaborationund digitale Datenwolken: Wer anders arbeiten will, braucht eine neue Arbeitsumgebung. Oliver Bendig, CEO von Matrix42, zeigt in seinem Gastkommentar, wie sie in Zukunft aussehen soll.

Matrix42, Oliver Bendig
Oliver Bendig ist CEO bei Matrix42, einem Software-Anbieter für innovative Arbeitsplatzlösungen. ©Matrix42

 

Der Arbeitsplatz ist tot – es lebe der Workspace! Wir befinden uns heute am Beginn der Workspace 4.0-Ära und damit in der vierten großen Entwicklungsphase des Arbeitsplatzes. Die Analogie zu den maßgeblichen industriellen Revolutionen drängt sich angesichts der Tragweite der Veränderungen geradezu auf:

 

Industrielle Revolutionen:

1.       Industrie 1.0 - Einführung der mechanischen Produktion mit Wasser- und Dampfkraft

2.       Industrie 2.0 - Massenproduktion mit Strom

3.       Industrie 3.0 - Automatisierung durch Robotik

4.       Industrie 4.0 – Digitalisierung der Produktion durch Maschine-zu-Maschine-Kommunikation

 

Arbeitsplatz-Revolutionen:

1.       Arbeitsplatz 1.0 – Mainframe-Großrechner

Diese Ära war geprägt von rechnergesteuerten Arbeitsplätzen mit fixem Standort im Unternehmen. Die Verwaltung des Arbeitsplatzes war ebenfalls standortbezogen (location based).

2.       Arbeitsplatz 2.0 – PC/Laptop

Mit PC und Laptop entstand erstmals eine 1:1-Beziehung zwischen Mensch und Maschine. Das Arbeitsplatzmanagement hatte einen Geräte-zentrierten Schwerpunkt (device centric).

3.       Arbeitsplatz 3.0 – Multi-Geräte-Arbeitsplatz

Mit der mobilen Revolution, also der Einführung der Mobilgeräte, entwickelte sich der Multigeräte-Arbeitsplatz. Schon heute benutzt der durchschnittliche Arbeitnehmer 4,3 Geräte (Laptops, Tablets, Mobiltelefon, etc.) für die Arbeit. Seine Arbeitskonfigurationen verteilen sich auf diese Geräte. Die Arbeitsplatzverwaltung hat sich vom Geräte-zentrierten hin zu einem Anwender-zentrierten Ansatz entwickelt.

4.       Arbeitsplatz 4.0 – One Workspace

Ausgelöst durch die Cloud wird der Arbeitsplatz jetzt zu einem Service, der sich laut Gartner wie eine „persönliche Cloud“ verhält. Alle Geräte, Applikationen, Daten, Identitäten (z. B. Active Directory Account, Google-ID, Login-Daten für Unternehmensanwendungen, etc.) und Services, die der Mitarbeiter für die Arbeit benötigt, sind in seiner persönlichen Cloud verbunden und stehen zur Verfügung – wann und wo immer er sie benötigt.

 

IT: One Workspace, one Management Solution

Die Veränderung des modernen Arbeitsplatzes hin zum Workspace bringt für die Unternehmen eine ganze Reihe von Herausforderungen. Sowohl technische als auch Business-Prozesse müssen überarbeitet werden. Derzeit haben die meisten Unternehmen verschiedene Management-Infrastrukturen im Einsatz, um die einzelnen Elemente eines Arbeitsplatzes, klassisch, mobil und über die Cloud, zu verwalten. Das ist komplex und aufwändig. Daher geht es für die IT klar in die Richtung eines einzigen Tools nach dem Motto „one fits all“, mit dem die Personal Clouds der Mitarbeiter umfassend organisiert, verwaltet und technisch, rechtlich gesichert sowie nahtlos mit den Geschäftsprozessen verwoben werden können.

 

HR: Arbeitsplatz 4.0 aktiv gestalten, um Chancen zu nutzen

Der Arbeitsplatz 4.0 ist aber nicht nur eine Herausforderung für die IT. Die neue Art des Arbeitens erfordert auch Maßnahmen im HR-Bereich, vor allem dann, wenn auch die Chancen dieser weitreichenden Entwicklung genutzt werden sollen. Moderne Wissensarbeiter und vor allem die ins digitale Zeitalter hineingeborene Generation Y arbeiten in hohem Grad selbstorganisiert und selbstbestimmt. Sie sind stark netzwerk- und technologieorientiert und benötigen die entsprechenden Rahmenbedingungen, um innovativ und effizient zum Erfolg des Unternehmens beitragen zu können. Gleichzeitig eröffnen die Veränderungen auch neue Chancen, etwa für berufstätige Mütter, die von mehr Flexibilität und Souveränität in Sachen Ort und Zeit profitieren oder auch für ältere Mitarbeiter, deren langjährige Erfahrung durch flexible Modelle und Technologien unkompliziert länger genutzt werden kann.

 

Management: Wandel in der Führungskultur

Logischerweise muss mit den Veränderungen am Arbeitsplatz auch eine Veränderung in der Führung erfolgen. Einerseits benötigt die moderne Art der Zusammenarbeit entsprechende organisatorische Veränderungen. Hierachische Strukturen werden mit netzförmigen, agilen Strukturen in einer modernen Arbeitswelt ersetzt. Der Wandel weg von der Präsenz- hin zur Ergebniskultur verlangt andere Führungskonzepte, weg von der Kontrolle hin zum „Empowerment“.

 

Mitarbeiter: Kompetenz für den Arbeitsplatz 4.0 aufbauen

Und nicht zuletzt sind auch die Mitarbeiter selbst gefordert. Denn die Vorteile der smarten Arbeitsplätze können nur von jenen optimal genutzt werden, die auch die entsprechende Kompetenz dafür haben. Digital Natives bringen diese zumeist schon mit und können für neue Entwicklungen darauf aufbauen. Die sogenannten Digital Immigrants, jene also, die sich das notwendige Know-how erst im Erwachsenenalter aneignen, sollten jedenfalls eventuelle Hemmschwellen überwinden und sich das erforderliche Wissen erwerben. Eine Auseinandersetzung mit Themen wie Virtualität, Collaboration, Networking in flachen, internationalen Experten-Strukturen ist empfehlenswert. Eine Self-Service-Mentalität, Kenntnisse in der Nutzung von Mobiltechnologien und für IT-Affine ein Interesse an Technologie sollten darüber hinaus zur Kompetenz-Ausstattung eines Workspace-Arbeitenden gehören.

 

Das Konzept Arbeitsplatz unterliegt dem Wandel und bedarf einer aktiv gestaltenden Neudefinition. Je besser uns das gelingt, desto besser sind wir für den nächsten Schritt gerüstet. Denn auch die Arbeitsplatz-Revolution 5.0 wird kommen.

 

 

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