Personal Austria: Die Zukunft beginnt jetzt

Österreichs größte Fachmesse für HR versammelte Erfahrungen, Best Practices und Anbieter der Digitalisierung.

Personal Austria
© Nicole Thurn

Schon beim Betreten der Halle A in der Messe Wien war klar: Die Digitalisierung ist überall. Das war auf der Personal Austria 2017, Österreichs größte Fachmesse für HR, diesmal besonders zu spüren.

Die Messestände versprachen digitales Recruiting (etwa firstbird, Xing eRecruiting, prescreen, cut-e), innovative Jobplattformen (mobilejob.com) oder digitale Tools zur MitarbeiterInnenverwaltung (Planery, retime). Tiefenentspannung gab es im Shiatsu-Massagestuhl mit dem Programm Brainlight, das per Meditation und Lichteffekten aus der Spezialbrille das Gehirn wahlweise in einen entspannenden oder leistungsfähigen Zustand versetzen sollte.

 

Nahezu jeder Talk, jeder Speaker und jeder Workshop auf der Personal Austria, hatte den Wandel im Recruiting, in der Personalentwicklung und auf dem Arbeitsmarkt im Fokus. In seiner Keynote sprach Tim Cole, Internetvordenker, Digital-Experte und Autor des Buchs "Digitale Transformation" davon, wie wichtig es sei, Veränderung positiv und offen gegenüberzustehen. Wesentlich dabei: Die Bereitschaft sich weiterzubilden und Jobs im Unternehmen zu übernehmen, für die man bisher gar nicht in Frage kam.

 

Politik ist gefragt

Doch nicht nur Unternehmen sind gefragt, auch die Politik müsse Rahmenbedingungen schaffen, sagte Isabell Hametner, Senior Vice President Human Resources bei OMV, beim Future Talk. Die Menschen würden sich flexible Arbeitszeiten wünschen, es sei an der Politik, dies auch zu ermöglichen. Christian Operschall, Stellvertretender Sektionsleiter und Gruppenleiter der Sektion VI Arbeitsmarkt im Bundessozialministerium, sagte: "Viele Menschen verzichten lieber auf Gehalt und möchten lieber mehr Freizeit." Darauf müssten Unternehmen reagieren. Wichtig sei, den Wandel in der Arbeitswelt nicht auf Kosten der ArbeitnehmerInnen voranzutreiben.

 

Beim AMS Expert Talk sagte AMS-Chef Johannes Kopf, dass digitale Kompetenz in allen Jobs künftig gefragt sei - auch in niedrigqualifizierten Segmenten. Der Weiterbildungsbedarf sei enorm, die Personalabteilungen würden hier besonders gefordert sein: "Das bedeutet aber auch eine Aufwertung der Personalarbeit."

Große Hürden für gelingende digitale Transformation sahen die DiskutantInnen in bestehenden gesetzlichen Regularien, auch sei es oft nicht einfach, technologische Innovationen in bestehende Systeme zu integrieren.

 

Ein Beispiel, wie digitale Transformation gelingen kann, gab Alexandra Eichberger, Leiterin Change Implementation in ihrer Keynote: Mit der Kampagne „Kunde braucht dich“ der A 1 Telekom Austria wurden KundInnen und MitarbeiterInnen stark in den Veränderungsprozess einbezogen - mit voller Transparenz. So würde sich auch die Unternehmenskultur radikal verändern. Unter anderem werden Team Meetings per Livestream und Video on demand für alle zur Verfügung gestellt, der CEO kann per "book your boss" für 60 Minuten für Anliegen gebucht werden, es gibt auch die Möglichkeit, mit der Personalleitung beim ungezwungenen Nachmittagskaffee Anliegen auszutauschen. Mit "workplace by facebook" können sich die MitarbeiterInnen einbringen.

Personal Austria
© Nicole Thurn

Auch ich hatte das Vergnügen, am Meeting Point zwei Impulsvorträge zu halten: Bei „Candidate Journey zwischen erstem Eindruck und Job-Matching" diskutierten wir über vertane Chancen, BewerberInnen im Bewerbungsprozess für das eigene Unternehmen zu begeistern: durch falsche Ansprache, langwierige Online-Bewerbungsverfahren und mangelnde Transparenz zu Unternehmenszielen und Unternehmenskultur ebenso wie durch zu lange Wartezeiten auf eine Antwort und floskelhaft-standardisierte Absagen. In der zweiten Session sprach ich mit den TeilnehmerInnen über innovative Ansätze der Personalentwicklung wie etwa Jobcrafting. Das Beispiel des Online-Schuhhändlers Zappos stieß auf großes Interesse: Im Unternehmen, das 2014 Holacracy eingeführt hat, erhalten die MitarbeiterInnen Badges, die ihre Skills symbolisieren. Sie bekommen auch 100 sogenannte people points zugewiesen, die sie selbstverantwortlich auf verschiedene Aufgaben verteilen können - beispielsweise 50 Punkte auf Engineering, 30 Punkte auf PR und 20 Punkte auf HR. Je nach eigenen Fähigkeiten und Interessen gestalten sich die MitarbeiterInnen ihre Jobs selbst und erhalten für zusätzliche Aufgaben auch mehr Geld - die Grenzen von Job-Titeln und Positionen werden somit gesprengt.

 

Die Zukunft hat also begonnen. Die Utopie wird immer mehr zur Realität. Wir bleiben gespannt, was uns auf der Personal Austria 2018 erwarten wird.

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0
Nicole Thurn

Willkommen auf meinem Blogzine!

 

Mein Name ist Nicole Thurn und ich freue mich, dir Inspirationen, Impulse und Erfahrungen aus der Welt des Neuen Arbeitens zu liefern. Du suchst mehr Sinn, mehr Motivation, mehr Entfaltung im Job? Oder willst dich über frische, neue Ansätze zu Leadership und Zusammenarbeit informieren? Dann bist du hier genau richtig.  Ich bin gespannt auf deine Anregungen und dein Feedback, schreib mir auf nicole@newworkstories.com

Wenn du mehr über mein "Warum" wissen willst, klicke hier. Viel Spaß beim Reinschmökern!