Jobsharing: geteilte Arbeit und doppelte Freude

Gastkommentar: Traumjob gefunden? Wie er sich mit Freizeit, Familie und Freunde vereinbaren lässt, zeigt ein Modell, das (auch) für die GenY funktioniert. Von Belinda Spörk

Belinda Spörk (Privat)
Belinda Spörk (Privat)

Schenkt man der Literatur Glauben, so gehöre ich, mit meinen 21 Jahren, der technikaffinen, nach Flexibilität, Work-Life-Balance und beruflichen Aufstiegschancen strebenden Generation Y an, die mit sinnvollen Aufgaben Erfüllung im Job sucht. Das trifft definitiv auf mich und meine KollegInnen und FreundInnen zu, doch geht es den anderen Generationen, also den vor 1980 Geborenen, nicht genauso?

 

Als ich vor zwei Jahren zum ersten Mal von dem Konzept Jobsharing gehört habe, war ich schlichtweg begeistert davon. Je nach Lebenssituation bietet es meiner Meinung nach die perfekte Möglichkeit, Privat- und Arbeitsleben miteinander zu kombinieren und dabei den Job auszuüben, den man liebt. So könnte jede/r, je nach Lebensphase, in Absprache mit seinem Arbeitgeber einfach selbst entscheiden, wie viel er oder sie arbeiten möchte. Nachdem ich meinen Bachelor in der Tasche habe, möchte ich beispielsweise definitiv die Arbeitswelt erkunden, doch für mich als wissbegieriger Mensch steht auch ein Masterabschluss auf meiner To-Do Liste. Und dabei möchte ich natürlich auch nicht ganz auf mein Privatleben verzichten müssen. In diesem Fall könnte Jobsharing mir erlauben, einen anspruchsvollen Job anzunehmen, ohne dabei Vollzeit zu arbeiten, weil man sich im Jobsharingteam gegenseitig unterstützt. Oder in ein paar Jahren, als junge Mutter: wie toll wäre es nach der Karenz im selben Unternehmen zu bleiben, die gleiche Arbeit zu machen und die Vollzeitstelle einfach auf zwei Personen aufzuteilen? Die Einsatzmöglichkeiten von Jobsharing sind zahlreich. Auch wenn weniger Arbeit aliquot weniger Geld bedeutet, kann ich mir gut vorstellen, selbst einmal in einem Jobsharing zu arbeiten, auch um mehr Zeit zu haben meinen Leidenschaften nachzugehen. Das Spannende dabei ist, dass durch die erhöhte Produktivität in weniger Stunden oft dieselbe, wenn nicht sogar mehr Arbeit erledigt werden kann. Als angehende Personalerin ist es mir ein Anliegen, die Flexibilität der ArbeitnehmerInnen zu erhöhen, ihnen über die Existenz des noch eher unbekannten Arbeitszeitflexibilisierungsmodells zu berichten und es in österreichischen Unternehmen einzuführen.

 

40 Stunden sind manchmal zuviel

Flexibilität, Work-Life-Balance und ein erfüllender Job können sich mit dem Arbeitszeitflexibilisierungsmodell Jobsharing ganz einfach vereinbaren lassen. Wie eine Studie des Personaldienstleisters Robert Half zeigt, bieten rund 22 Prozent der österreichischen Unternehmen Jobsharing an – Luft nach oben gibt es hier also allemal. Doch wie gestaltet man Jobsharing, sodass es auch ein attraktives Modell für die Generation Y darstellt? Genau mit diesem Thema habe ich mich im letzten halben Jahr, im Zuge meiner Bachelorarbeit, intensiv beschäftigt. Manchmal ist die klassische 40-Stunden Arbeitswoche einfach zu viel – sei es, weil man mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen möchte, seinen Hobbies nachgeht, nebenbei eine Ausbildung absolviert, Angehörige pflegt, oder kurz vor der Pensionierung steht. In solchen und vielen anderen Fällen kann Jobsharing, bei dem sich im Normalfall zwei ArbeitnehmerInnen eine Vollzeitstelle teilen, die nötige Flexibilität bieten. Vorteile können sich daraus viele ergeben, sowohl für ArbeitnehmerInnen als auch für ArbeitgeberInnen. Die Förderung der Chancengleichheit, erhöhte Motivation, doppelte Kompetenz für eine Stelle sowie verminderte Fluktuation und erhöhte Produktivität sind nur einige Beispiele.

 

Doch Jobsharing ist nicht gleich Jobsharing. So wird zwischen den drei Unterformen Jobsplitting, Jobpairing und Split-Level Sharing unterschieden. Für die, nach hohen Zielen strebende, Generation Y schätze ich Jobsplitting im Gegensatz zu Jobpairing und Split-Level Sharing weniger ansprechend ein. Dies beruht auf der Tatsache, dass der einzige Unterschied zwischen Jobsplitting und klassischer Teilzeit in der Gestaltung eines gemeinsamen Arbeitszeitplanes besteht.

 

Während bei den Subformen Jobpairing und Split-Level Sharing die ganze Verantwortung einer Stelle zwischen den JobsharerInnen geteilt wird, eignet sich Jobsplitting eher für monotonere, einfach erlernbare Aufgaben. Besetzen JobsharerInnen mit unterschiedlichen Kompetenzen, Fähigkeiten und Fachwissen eine Stelle, so ist das Training on the job auch gleich inkludiert. Ein beträchtlicher Nachteil von Jobsharing ist, dass für Beförderungen in der Praxis häufig vollzeitarbeitende JobsharerInnen vorgezogen werden, weshalb deren Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten limitiert sind. Hier muss sich definitiv etwas ändern, denn berufliche Aufstiegschancen und Selbstverwirklichung stehen auf der Prioritätenliste der Generation Y ganz oben. Solange ein Karriereaufstieg trotz Jobsharing möglich ist, sich die zeitliche Einteilung an den individuellen Bedürfnissen der ArbeitnehmerInnen orientiert, Sympathie zwischen den JobsharerInnen herrscht, die gemeinsame Kommunikation und Koordinierung durch Technik unterstützt wird und JobsharerInnen regelmäßiges Feedback bekommen, kann eigentlich fast nichts mehr schief gehen. Fast, denn natürlich gibt es Voraussetzungen, die den Erfolg bestimmen. Die wichtigsten Faktoren dabei sind die Möglichkeit eine Stelle zu teilen und eine geeignete, offene und innovative Unternehmenskultur.

 

Warum also nicht mit Jobsharing von der Flexibilität für ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen profitieren, die Produktivität und vor allem die Motivation und das Engagement der MitarbeiterInnen erhöhen? Meiner Meinung nach hat dieses Arbeitszeitmodell jedenfalls großes Zukunftspotenzial. Nicht nur, aber vor allem bei der nach Freiheit und Flexibilität strebenden Generation Y.

 

Zur Person

Belinda Spörk hat nach einem Auslandsjahr in Paris Human Resources Management an der FH Wien studiert und ein Semester an der australischen Deakin University verbracht. In ihrer Bachelorarbeit skizziert sie verschiedene Modelle des Jobsharing aus der Sicht der Generation Y.

Belindas Profil auf LinkedIn:

https://www.linkedin.com/in/belinda-spoerk/


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Nicole Thurn

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