Befreie dein Potenzial: So geht's

Wie kommen die Stärken von 30 Leuten in einen Reisdrink? Warum entfalten Kinder erst mit "Deschooling" ihre wahren Potenziale? Was bringen Kudos an der Unternehmenswand? Diesen Fragen ging das 2. New Work Stories Meetup mit drei inspirierenden Talkgästen nach.

In Zeiten, in denen die Augmented-Reality-Brille anzeigt, welche man Schraube an der Maschine drehen muss, die Halbwertszeit des Wissens nur einen Google-Klick andauert und Webcrawler Unmengen an Daten sammeln, gerät das Wissen von Zahlen, Daten und Fakten in den Hintergrund. Laut dem Future of Jobs Report des Weltwirtschaftsforums sind die wichtigsten Fähigkeiten in Zukunft: Problemlösungskompetenz, Kreativität und emotionale Intelligenz.

Auch der bekannte Hirnforscher Gerald Hüther sagt: An die Stelle des Wissens treten das Erkennen und das Verstehen.

Das, was wir können könnten, aber noch nicht leben, wird bedeutsam - also unsere Potenziale. Und davon hätte unser Gehirn genügend: "Wir bleiben weit hinter unseren Möglichkeiten", sagt Hüther in seinen Vorträgen. Kein Wunder, sind wir doch in einem System sozialisiert worden, das Command & Control gefordert hat, Fleiß, angepasstes Verhalten und Denken in vorgefertigten Bahnen.

Doch wie können wir unsere Potenziale aus unseren engstirnigen Denk- und Handlungsbahnen befreien, um in der neuen Arbeitswelt endlich wirklich kreativ und innovativ zu werden?

 

Dazu habe ich zum 2. New Work Stories Meetup "Befreie dein Potenzial - Hack your potential" drei inspirierende Gäste eingeladen, gehostet wurde das Event dankenswerterweise von kununu - dem größten Arbeitgeber-Bewertungsportal Europas.

 

Das sind die Erkenntnisse der inspirierenden Q&A-Sessions: 

 

1. Potenzialentwicklung geht nur über Freiräume:

Am Beginn war der Frust über das reguläre Schulsystem. Rund 15 frustrierte Elternpaare rund um Stefan Leitner-Sidl nahmen ihre Kinder aus der Regelschule und gründeten im Jahr 2014 den Verein Colearning, um ihnen im "Heimunterricht" das offene Lernen zu ermöglichen. Inzwischen hat der Verein eine alte Fabrik den Markhof, das Dorf in der Stadt, im 3. Wiener Bezirk bezogen.  "Wir wollen die Entschulung der Gesellschaft vorantreiben", erzählt Co-Gründerin Ulla Mimura. Das Besondere: Die rund 50 Kinder im Alter von fünf bis 18 Jahren lernen selbstorganisiert in Teams, altersübergreifend und interdisziplinär. Sie entscheiden selbst, wie sie lernen. Sie präsentieren Schaubilder, machen historische Rollenspiele oder drehen YouTube-Erklärvideos. Zwei Siebenzehnjährige haben sogar kürzlich ein Startup gegründet. Erwachsene Lernbegleiter unterstützen die Kinder dabei, ihre Lernziele zu erreichen, am Ende des Jahres gibt es eine offizielle Externistenprüfung. Neuankömmlinge aus dem Regelschulsystem machen in den ersten drei Monaten erst einmal: nichts.  Die Potenziale der Kinder werden nach und nach freigelegt, nach diesem "grauenvollen" Deschooling-Prozess, der die Kinder zwischenzeitlich in eine kleine Depression stürze, wie Ulla Simura erzählt. Das sei aber wichtig, denn: "Ziel ist, dass die Kinder von sich aus mit Ideen kommen und ihre Lernbegierde und intrinsische Motivation wiederentdecken." In Musikräumen, Schauspielworkshops, in der hauseigenen Werkstätte mit Tischlerei und im Malatelier können die Kinder ihre Talente entdecken. Die einzige Konstante im Tagesablauf sind Koch- und Putzsessions: "Wir wollen das alltägliche Leben in den Markhof bringen", sagt Ulla Mimura. Wie in einem echten Dorf. Ihre Potenziale entdecken die Kinder also über die Freiräume und über die Gemeinschaft.

 

2. Die Abkehr vom Außen ins Innen:

Michael Harb glaubt zwar nicht an den katholischen Gott, "aber ich bin ein spiritueller Mensch", sagt er. Im Jahr 2012 beschloss der selbstständige Finanzberater, etwas an seiner latenten Unzufriedenheit zu ändern und besuchte einen 18-monatigen Lehrgang zur Potenzialentfaltung: "Ich hatte einfach das Gefühl, dass da mehr geht, dass ich meine Potenziale nicht lebe." In dem Lehrgang beschäftigten sich die Teilnehmer viel mit Selbstreflexion und Meditation und damit, was sie wirklich machen wollten. "Die meisten Menschen suchen die Antwort im Außen. Ich kann nur empfehlen, sich viel mit sich zu beschäftigen, wenn man einen Job sucht oder eine Berufswahl treffen muss", sagt Michael Harb. Es brauche Zeit und Selbstreflexion, um herauszufinden, wo die eigenen Potenziale liegen.  Im Laufe des Lehrgangs entstand bei den Teilnehmern der Wunsch, mit den eigenen Stärken auch etwas zu tun, um das ethische Wirtschaften voranzutreiben. Sie gründeten einen Trägerverein und sammelten in Meetings 20 unternehmerische Ideen. "Dann kamen wir auf die Teekampagne von Professor Günter Faltin und auf die Idee, einen Reisdrink nachhaltig herzustellen", erzählt Michael Harb. Aus dem Trägerverein entstand eine Genossenschaft und damit das Startup Libuni, das den gleichnamigen Reisdrink nachhaltig in Italien produzieren lässt und direkt und günstig in hochkonzentrierter Form an den Endkonsumenten verkauft. Von den 30 haben sich einige herauskristallisiert, die im Nebenjob aktiv bei Libuni mitarbeiten - die Aufgaben werden nach ihren individuellen Stärken verteilt. Michael Harb unterstützt das Startup als Finanzkenner und Coach. Was ist mit den Aufgaben, die niemand machen will oder kann? "Dafür haben wir Freelancer eingestellt", sagt Harb.

 

3. Offenheit und Transparenz im Unternehmen:

Bei kununu in Wien arbeiten rund 80 Mitarbeiter - die meisten sind um die 30 Jahre alt. Das Startup-Feeling manifestiert sich in bunten Möbeln, hellen Räumen, einem Tischtennistisch, "free Pizza for all" jeden zweiten Freitag und rund 20 Bürohunden. Bei diversen Trainings setzt das Unternehmen auf die Stärken der Mitarbeiter, erzählt Johannes Prüller, Head of Communications: "Wir wollen vor allem die Stärken stärken und nicht die Schwächen unserer Mitarbeiter ausmerzen." Vertrauen und Offenheit seien die beste Basis, damit die Mitarbeiter ihre Potenziale entwickeln könnten. In Hack Weeks können die Entwickler an eigenen Ideen tüfteln, die "Kudos-Wall" in der offenen Küche zeugt von Dankesbekundungen einiger Mitarbeiter an ihre Kollegen. "Danke, dass du mir beim Projekt weitergeholfen hast", steht da zu lesen und "Vielen Dank für deinen Vortrag. Er hat mich sehr inspiriert". Ehrliches und wertschätzendes Feedback wird bei kununu stark gefördert. Im Mitarbeitergespräch wird die Selbsteinschätzung des Mitarbeiters mit der Fremdeinschätzung der Führungskraft mithilfe eines Tools abgeglichen. Die Mitarbeiter bewerten über ein digitales Tool auch anonym ihre Arbeitswoche. "So wissen wir immer, wie die Stimmung gerade im Unternehmen ist", sagt Johannes Prüller.

 

Nach jeder Menge Fragen aus dem Publikum gab es bei Wein und Veggie-Buffet von "Rita bringt's" weiteren Austausch unter den Gästen. Wir freuen uns auf das nächste Meetup in 2019!

 

 

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Nicole Thurn

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