Wer hat Angst vor der Schreibblockade?

Schreiben ist nur was für Genies? Nein. Jeder kann schreiben lernen.  Und: es macht uns kreativer und bringt neue Ideen. Judith Wolfsberger vom writers' Studio erklärt, wie.

Wenn die Gedanken auf das Papier fließen, ganz frei und ohne Bewertung, mit aller Unsicherheit und allem kognitiven Kauderwelsch, dann passiert oft eines. Der Knoten im Hirn löst sich, der Kopf wird frei. Und plötzlich ist er da, der eine Gedanke, von dem man weiß: da geht was. Aus dem Gedanken wird noch einer und noch einer und man schreibt weiter und plötzlich ist es mehr als nur ein Gedankengeschreibsel, nämlich: eine richtig gute Idee.

 

Diese intuitive Technik, die komplexe Gedankengänge freilegt, ins Fließen bringt und zu innovativen Ideen weiterspinnt, heißt Mindwriting. Sie hat sich aus der Free-Writing-Tradition entwickelt, die im angloamerikanischen Raum verbreitet ist. Mit Mindwriting zapfen wir unsere Kreativität und Innovationsfähigkeit an.

 

Mit dem writers' Studio hat sich Judith Wolfsberger ganz dem Schreiben verschrieben. Hier werden Kurse nicht nur zu Mindwriting angeboten, sondern auch Schreibretreats inklusive Yoga, Schreibrunden für Gleichgesinnte, Seminare zum professionellen Schreiben für Journalisten, PR- und Marketingmenschen oder Lehrgänge für angehende Sachbuchautoren. Gelegen nahe der Rossauer Lände ist es ein Refugium für Fabulierwütige und Schreibblockierte, die sich bei regelmäßigen Schreibtreffs gegenseitig Feedback geben oder in Seminaren und Lehrgängen die Tools und Tricks großer Schriftsteller anwenden lernen.

Räume für Kreativität

„Schreiben braucht Schreibräume“, sagt Judith Wolfsberger und wiederholt dabei die Worte der großen Schriftstellerin Virginia Woolf, die sich schon in den 1920ern ihre Schreibräume genommen hatte – ob in ihrer Villa mit Blick auf den Apfelbaum oder in der Intellektuellen-Kommune Bloomsbury Group, in der auch der große Ökonom John Maynard Keynes  verkehrte.

 

In Europa gilt das Schreiben als Frage des Talents, Schriftsteller sprechen ungern über ihren Werdegang. Im angloamerikanischen Raum hingegen gehört es für Schriftsteller dazu, ihr Wissen weiterzugeben. Das Schreiben wird im angloamerikanischen Raum als nachvollziehbarer Prozess vermittelt: von der Ideenfindung zur Strukturierung und Texterstellung, über Feedback und Korrekturschleifen zum fertigen Werk. „Es ist Arbeit, aber es gibt für jede Phase hilfreiche Methoden, Tools und Erfahrungswerte“, sagt Judith Wolfsberger tröstend.

 

Nicht nur angehende Schriftsteller und Buchautoren würden sich ins writers' studio begeben: „Es kommen auch viele Selbstständige zu uns, die bemerken, wie viel sie für ihr Business schreiben müssen“, sagt sie. Auch Vortragende, die meinen, sie könnten gut reden aber nicht schreiben, will Judith Wolfsberger ermutigen: „Jemand, der eloquent ist und etwas zu sagen hat, kann mit den richtigen Methoden garantiert gut schreiben."

 

Ziel sei in jedem Kurs:  ein authentischer, spannender Schreibstil, ein Zugang zur eigenen Kreativität und: mehr Zugang zu sich selbst zu finden.

 

Möglich wird das durch:

 

1.       Freies Schreiben: "Gerade jene mit großer Schreibangst und Schreibblockaden schreiben irrsinnig gut, wenn sie sich davon freimachen", sagt Judith Wolfsberger. Mit dem freien Schreiben kommt jeder rumzischender Gedanke aufs Papier, ganz ohne Bewertung und ohne Absetzen des Stifts. Schreiben mit der Hand fördert dabei übrigens die Kreativität.

 

2.       Co-Creation in der Community:  Das gequälte Genie, das auf eine Eingebung im einsamen Kämmerlein wartet, hat im 21. Jahrhundert ausgedient. Neue Sichtweisen und Ideen entstehen am besten in der Gruppe - im gemeinsamen Denken, Ideenspinnen und durch ausführliches Feedback.

 

3.       Bewusst Schreibräume schaffen: Judith Wolfsberger hat selbst zahlreiche Feedback- und Schreibgruppen besucht und in  verschiedensten Schreibräumen geschrieben: in Bibliotheken, Cafes, an Rückzugsorten. Mit einer Freundin traf sie sich regelmäßig in einer Bibliothek, um an ihrem Buch zu schreiben. "So konnten wir beide jeweils innerhalb von wenigen Monaten ein Buch fertigstellen", erzählt sie. Gemeinsames, terminisiertes Schreiben an einem bestimmten Ort führe zu wesentlich mehr Produktivität, Disziplin, aber auch Schreiblust. Wichtig dabei sei: den Zeitpunkt und einen inspirierenden Ort vor dem Schreibprozess festlegen. Das Schreiben eines Buchs oder von Short Stories sollte keinesfalls am selben Ort stattfinden wie berufsbezogene Tätigkeiten. „In meinem Büro kreativ zu schreiben würde nicht funktionieren“, sagt Judith Wolfsberger.

 

 4.       Feedbackkultur einüben: „Wir haben hier in Österreich keine Feedbackkultur, sondern eine Kritikkultur. Wir sind darauf getrimmt, zu schauen, was an einem Text falsch und schlecht ist“, so Judith Wolfsberger. In den Schreibworkshops praktizieren die TeilnehmerInnen eine besondere Feedbackkultur: in Form von konstruktiver Kritik, indem die Kollegen zurückspielen, wie der Text angekommen ist, was unklar ist oder welche Bilder in den Köpfen dadurch entstehen. „Die Leute werden süchtig nach dieser Art von Feedback, das pusht sie zum Weiterschreiben“, meint Judith Wolfsberger und erzählt Geschichten von Menschen, die nach kränkender Kritik jahrelang nicht mehr geschrieben hatten und dadurch schließlich wieder Mut fassten. Judith Wolfsbergers Credo: „Das oberste Ziel ist, dass die Person weiterschreibt.“

 

 Das writers' Studio bietet auch inhouse-Programme für Unternehmen an, um die Kreativität, Schreibsicherheit und einen spannenden Schreibstil zu fördern. Infos zu aktuellen Kursen, Schreibtreffs und Lehrgängen findest du hier: www.writersstudio.at

Judith Wolfsberger ist auf den Spuren Virginia Woolfs gereist und hat über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse ein Memoir geschrieben: "Schafft euch Schreibräume!" , böhlau Verlag.

 

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Nicole Thurn

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