Lustige Leader: Ein bisserl Spaß muss sein

Paul Osincup bringt als "Positive Workplace Strategist" Führungskräften bei, wie sie mit mehr Humor und einfachen Mitteln die Stimmung verbessern.

Paul Osincup
Paul Osincup ist "Positive Workplace Strategist" (© HR Inside Summit)

Humor ist der Regenschirm der Weisen, sagte schon Erich Kästner. Wohl wahr. Wenn man richtig fies unter den Schauern des Lebens hin und her gebeutelt wird, hilft eine Dosis trockener Humor. Doch das Lachen ist uns Erwachsenen statistisch gesehen längst vergangen. 400 Mal haben wir als Babies pro Tag gelacht, ab dem Alter von 35 tun wir es nur noch 15 mal pro Tag - und dann eher am Wochenende als wochentags.

Im Job gibt es offenbar wenig zu lachen. 60 Prozent der Millenials verlassen ihre Jobs innerhaler ersten drei Jahre, um an einen angenehmeren Arbeitsplatz zu wechseln. Doch nicht nur die Jungen sind betroffen. "Unglückliche Mitarbeiter kosten den Unternehmen viel Geld", sagt Paul Osincup in seiner Q&A-Session am HR Inside Summit 2018. Seine Mission ist es, das Lachen in die Büros und Arbeitsstätten dieser Welt zu bringen. Der TEDx-Speaker Paul Osincup entpuppt sich gottseidank nicht als überdrehte amerikanische Spaßkanone. In seiner Leadership-Session in der Wiener Hofburg bringt er das Publikum mit ausgesuchten Bonmots zum Schmunzeln.

Anfangs serviert er einige Fakten. 88 Prozent der Millenials hätten gern zwei Dinge im Job: Erstens Spaß. Und zweitens eine Arbeitsumgebung, in der soziale Kontakte nicht zu kurz kommen. Erstaunlich erscheint die Spaßkultur unter den Amerikanern: Immerhin 80 Prozent der Mitarbeiter in Fortune-500 Unternehmen sagen, sie würden in einem "Fun environment" arbeiten.

 

Humor, sagt Paul Osincup, ist die Nummer eins des Selbstausdrucks. Gemeinsam mit ethischem Verhalten gehört er zu den größten erwünschten Stärken, die Führungskräfte haben können. Sein Credo:  Mit ein bisschen mehr Selbstironie und Lockerheit lässt sich Arbeit stressfreier gestalten, Kreativität und Gemeinschaft werden gefördert und die Grundmotivation erhöht.

Alles einleuchtend, doch: Will er uns tatsächlich Humor am Arbeitsplatz verordnen?

Der Experte winkt ab, das könne schnell peinlich werden. Daher ist es besser, nicht bemüht lustig sein zu wollen, sondern einfach mit Spaß an der Sache dabeizusein. Gut, ich bin gedanklich wieder bei ihm.

 

Nach acht Minuten Vortrag lässt Paul Osincup uns erfahren, wie positives versus negatives Denken wirkt:  Zu zweit sollen wir ein Foto besprechen - der eine stets mit positiven Kommentaren, der andere mit negativen - danach Wechsel. Das Bild zeigt einen kleinen Hund neben zwei Menschenbeinen, im Hintergrund das Meer. Schnell wird klar, was diese Übung bezwecken soll: "Es kostet viel Energie, in der Konfrontation mit Negativität positiv zu bleiben", bringt es Paul Osincup auf den Punkt.

 

An sich seien es wenige Kriterien, die Führungskräfte beherzigen sollten, um eine positive Grundstimmung bei ihren Mitarbeitern zu erzeugen.

Seine Tipps für Führung, die für eine bessere Stimmung sorgt: L.A.F.T.E.R (also "Lacher" falsch geschrieben, haha):

 

Lead by example: Das ist ein alter Hut und doch wird er selten benutzt. Führungskräfte sollten Vorbilder sein. Das, was sie von ihren Mitarbeitern wollen, sollten sie selbst erst einmal praktizieren. Paul Osincup erzählt: ,Ein CEO fragte mich: Warum machen die Leute in meiner Anwesenheit eigentlich nie Witze?' Ich sagte zu ihm: ,Weil sie Angst vor dir haben.'" In einem Meeting machte Osincup auf Kosten des CEO einen Scherz: Absolute Stille. Der CEO begann zu wiehern, alle lachten erleichert. Das signalisierte den Mitarbeitern, dass er selbstironisch sein konnte und offen für Scherze auch gegenüber den Mitarbeitern war.

 

Ask for help: Ein absolutes Tabu in der professionellen Arbeitsumgebung. Um Hilfe zu fragen, gar noch als Führungskraft, wird schnell als Schwäche ausgelegt - solange, bis endlich die ersten es selbstbewusst tun. Jeder braucht mal Hilfe und die Helfer tun es meist auch noch gern. Schließlich will auch jeder Wirkung bei anderen erzeugen.

 

Fun over funny: Eine gewisse Lockerheit und vor allem Selbstironie kommen immer gut an. Peinlich dagegen: Schenkelklopferwitze aus dem Mund des CEO oder des Abteilungsleiters. Zwei Krankenhäuser fusionierten. Um die Mitarbeiter in Austausch zu bringen, gab es eine Weinverkostung. Was passierte? "Die, die einander schon kannten, blieben unter sich", so Osincup. Er lässt uns das Kennenlernbingo spielen. Wir bekommen einen Zettel mit neun mal neun Kästchen, darin persönlichen Fragen, die das Gegenüber mit "ja" oder "nein" beantworten muss. "Ja" bedeutet Bingo. Wir müssen die Reihen auf dem Papier vollkriegen und befragen die anderen Teilnehmer. "Hast du schon mal einen Fallschirmsprung gemacht?" "Hast du dir schon mal ein Bein gebrochen?" "Hast du ein verstecktes Talent?" Das Ganze ist natürlich ein wenig aufgesetzt. Eine nette Idee für einen Workshop, aber für den Büroalltag? Spaß macht es schon. "Das sind die Endorphine, die uns offener, zugänglicher und engagierter machen. Wir sind oft so beschäftigt, dass wir gar nicht erkennen, wieviel es bringt, uns mit anderen Menschen zu verbinden", sagt Osincup. Damit hat er sicher Recht.

 

Tell your story: Eine Arbeitsumgebung, die Spaß an der Arbeit fördert, sollte auch so kommuniziert werden: auf Social Media, in Jobinseraten. Häufig seien die Botschaften nach außen allerdings langweiliger als der Arbeitsalltag. "Zeigt eure Unternehmenskultur ehrlicher nach außen", so Osincup. Das gilt natürlich in erster Linie für die tollen Unternehmenskulturen. Das mache auch Sinn für die Kunden: "Kunden werden niemals ein Unternehmen lieben, wenn nicht seine Mitarbeiter es auch tun."

 

Earn it: Manchmal gibt es Dinge oder Situationen am Arbeitsplatz, die uns verrückt machen. "Dass alle ihr schmutziges Geschirr in der Küche stehen lassen", ruft eine Teilnehmerin. "Aber was ist das Gegenteil vom täglichen Schmerzpunkt?" fragt Paul Bosincup. "Fokussiert euch auf das, was funktioniert und achtet darauf, wie ihr mit anderen Menschen kommuniziert", rät der Experte. Einleuchtend: eine positive, lebenslustige Grundhaltung hilft beim Umgang mit anderen. Statt zu sagen: "Du liegst falsch", "Das können wir nicht machen", "Du hast einen Fehler gemacht", könnte man auch andere Worte wählen, die den anderen nicht runtermachen, wie: "Ich habe das  folgendermaßen verstanden: ...", "Eine Idee: Machen wir es doch so: ...".

 

Rituals: Besser als der Belegschaft ein Mal jährlich bei der Weihnachtsfeier verordneten Spaß zu bieten, ist es, kleine wiederkehrende Rituale in den Unternehmensalltag einzubauen: "Ein Sockentag zum Beispiel", sagt Osincup mit Verweis auf sein Faible für schräge Sockenmuster. Oder ein Kuchentag ein Mal im Monat, oder der tägliche Song, der vor Arbeitsbeginn für alle gespielt wird. Tja, all das kann auch etwas zu gewollt wirken. Hier muss wohl jedes Unternehmen seine eigenen Rituale finden.

 

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Nicole Thurn

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