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Arbeit mal anders #4 mit Christian Hlade: Vom Architekten zum Weltweitwanderer

Seinen Job als Architekt schmiss der Vielreisende Christian Hlade vor 19 Jahren hin, um seinen Lebenssinn im eigenen Unternehmen zu finden. Mit weltweitwandern geht er seither neue Wege im Social Business - und im nachhaltigen Trekkingtourismus.

© weltweitwandern

Arbeiten ohne Sinn, nur um Geld zu verdienen, "das ist doch Zeitverschwendung", sagt Christian Hlade lapidar. Allerdings auch nur zu verständlich, wenn man es trotzdem tut. "Immerhin  habe ich 40 Jahre gebraucht, um meinen Lebenssinn zu finden." Heute kann der 55-Jährige von sich behaupten: "Ich arbeite nicht mehr und gehe auch nicht in Pension." Was nicht bedeutet, dass er nichts zu tun hat. Soeben ist der Gründer von weltweitwandern, einem Reiseunternehmen für nachhaltige Trekking-Touren, aus der marokkanischen Wüste zurückgekehrt.  Der Weg vom dauergestressten, frustrierten Angestellten zum erfolgreichen Unternehmer sei "schön, mühsam und entmutigend" gewesen.

Im Alter von 15 Jahren hatte er in sein Tagebuch geschrieben: "Ich möchte einmal von meinen Träumen leben können und mit meinen Hobbies Geld verdienen.“ Damals hatte er seine erste Reise gerade hinter sich, "alleine per Autostopp in die Toskana für zehn Tage, mit umgerechnet 70 Euro in der Tasche".  Zwei Jahre später trampte er so lange Richtung Süden, bis das Geld knapp wurde - und landete in Marrakesch. 

 Eigentlich wollte Christian Halde Reiseautor werden, schöne Gegenden in schöne Worte gießen wie Ernest Hemingway. Geworden ist er Unternehmer, ein sozialer, einer, der nachhaltigen Trekking-Tourismus in ferne, entlegene Landschaften ermöglicht und die Menschen vor Ort in sein Unternehmen einbindet. Das Schreiben hat er dann doch noch gelernt. Heute schreibt er Beiträge auf seinem Blog Global Thinking und arbeitet an seinem zweiten Buch zum Thema Wandern. "Man kann vieles lernen", sagt er schmunzelnd.

Er sieht aus wie einer, der Glück hatte, der sein Ding einfach durchgezogen hat. Doch die ersten 40 Lebensjahre hat Christian Hlade mit sich und seinem Lebenstraum gerungen. Als angestellter Architekt zeichnete er die Wohnträume anderer, saß tagein, tagaus im Architekturbüro und plante heimlich seine nächsten Urlaubs-Trekkingreisen. Doch dann brachen das Reisefieber, der Drang nach Abenteuer endgültig durch und besiegten die Vernunft.

 

Aufstieg in ein neues Leben

Christian Hlade  legte seinen Job als Architekt auf Eis und ging nach Ladakh, Nordindien, um eine Solarschule in 4000 Metern Höhe im Himalaja aufzubauen - gemeinsam mit den Bewohnern des Bergdorfs Lingshed. Was anfangs nur als einjähriges Sabbatical gedacht war, entwickelte sich zum fortwährenden Herzensbusiness. Er erkannte das Interesse von Reisegruppen an diesem Projekt und zählte eins und eins zusammen. Und er begann, über das Glücklichsein zu forschen: "Ich war erstaunt, wie zufrieden, fröhlich und unbeschwert diese armen Menschen so weit weg von anderer Zivilisation sind, dort, wo die Globalisierung noch nicht so stark vorhanden ist. Das macht nachdenklich."  Die Faktoren für Glück sind in Nepal: Eingebundensein in die Gemeinschaft mit gegenseitiger Hilfe, mit der Natur zu leben. Es gibt viele Wege zum Glück". Die zunehmende globale Verbreitung der westlichen Monokultur sieht Christian kritisch. Das Reisen helfe dabei, allzu selbstverständlich Scheinendes in Frage zu stellen. 

Von ausgefeilten Businessplänen hält Christian wenig. "Ich rate jedem, seine Idee mal im Kleinen auszuprobieren und zu testen. Aus den Erkenntnissen  kann man dann weitere Schritte gehen", sagt er. Und klar, "man muss mit seinem Produkt natürlich einen Nutzen stiften und sehen, ob es einen Markt dafür gibt." 

 

Seit dem Jahr 2000 ist viel passiert. Heute bietet Christian Hlade mit dem Unternehmen weltweitwandern Trekkingtouren nicht nur durch den Himalaja,  sondern auch durch die marokkanische Wüste, durch Uganda, Usbekistan oder Vietnam, durch 84 Länder auf vier Kontinenten. Mit seinem Team in Graz und rund 600 Mitarbeitern weltweit initiiert er Bildungs- und Sozialprojekte weltweit und zeigt, wie man nachhaltigen Tourismus und Reiselust mit sozialem Engagement verbindet. Die freien Mitarbeiter - Guides, Sherpas, Helfer - haben im Zuge seiner Aufträge oft selbst prosperierende Reiseunternehmen in ihren Ländern gegründet. Einfach war der Aufbau des Unternehmens nicht. Einmal musste er jahrelang mit Mönchen um das Landrecht für den Bau einer Schule ringen. Bürokratische und kulturelle Hürden drängten sich immer wieder auf.  Und dennoch ging es weiter.

 

Ausgezeichnet und abgegeben

Seinen Mitarbeitern will Christian Hlade viel Freiraum geben. Er erkannte aber auch, "wie wichtig es in unserer Organisation ist, Strukturen aufzubauen." Und, wo die eigenen Stärken und Interessen liegen. Daher kommen einmal pro Jahr Mitarbeiter und Reisepartner aus verschiedensten Ländern zusammen, um einander auszutauschen und sich in der hauseigenen Academy weiterzubilden. Christian Hlade selbst hat seine Geschäftsführung für weltweitwandern abgegeben, um sich wieder mehr den Trekking-Reisen vor Ort zu widmen - seiner wahren Leidenschaft. Das Unternehmen wurde vielfach ausgezeichnet: drei Mal bekam Christian Hlade den Trigos Preis für das nachhaltigste Unternehmen, 2011 erhielt weltweitwandern den Österreichischen Staatspreis für Tourismus, sechs Mal ging die GEO Goldene Palme, der "Oscar" der Reiseindustrie, an das Unternehmen.

Das Erdbeben in Nepal im Jahr 2015 hat Christian dazu bewogen, "weltweitwandern wirkt" zu gründen. Ein Verein, der Spendenwillige und die von weltweitwandern initiierten und unterstützten Bildungsprojekte zusammenbringt. Die Ecole vivante in Marokko etwa, eine Schule mit modernem Bildungskonzept wird derzeit um Berufsausbildungen im Ackerbau, in der Tischlerei und in IT erweitert. Oder die Kundalinee School in Nepal für 400 Kinder mit einer Investitionssumme von einer Million Euro. Ebenfalls investiert werden die Spenden in interkulturellen Austausch und Empowerment vor Ort.

 

Seinen Werdegang in ein sinnhafteres Arbeitsleben beschreibt der Unternehmer im Nachhinein so: "Man geht durch Nebel, ist verzweifelt, findet doch irgendwie den Weg. Dazu braucht man schon immer wieder Stützen und Leute, die einem weiterhelfen. Und eine starke Vision." Eine Vision sei nichts, was man nur einmal erarbeite und das war's dann. "Ich arbeite ständig an meiner Vision", sagt Christian Hlade und deutet auf sein Büchlein auf dem Tisch, vollgekritzelt mit Gedanken, Ideen und Skizzen. In seinem Kopf warten noch viele Ideen auf Umsetzung. Künftig will er sich mehr auf seine Rolle als Mentor konzentrieren. "Ich will mein Wissen gern mit anderen teilen."

 

INFO: Christian Hlade ist am 13. und 14. Mai auf der (Un-)Konferenz Freiräume in der Grazer Seifenfabrik als Impulsgeber dabei. Hier gibt es noch Tickets: https://freiraeume.community/freiraeume-2019/

 

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Nicole Thurn

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