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Hilfe, sind jetzt alle agil geworden?

Die Crux mit dem A-Wort: Agilität ist aus dem Unternehmensjargon heutzutage nicht mehr wegzudenken. Doch Vorsicht vor falschen Versprechungen. Ein kritischer Blick auf das Trend-Wort.

agil, Agilität
© Stock Photography/Unsplash.com

Und schon wieder ist es passiert. „Wir sind jetzt auch agil“, sagt die HR-Chefin mit leuchtenden Augen. „Das ist ja toll“, antworte ich. Was ich nicht sage, ist: Das ist toll, aber du bist die vierte diese Woche. Ich kann es nicht mehr hören.

In diversen Unternehmen scheint der Agilitätswahn ausgebrochen.

Die agile Generation hält agile Meetings in agilen Kontexten mit Heerscharen von agilen Coaches ab, bevor sie ins agile Wochenende flüchtet. Was umgangssprachlich das Wort „geil“ ist, ist im Business-Kontext „agil“.

 

Und ja, das ist auch nachvollziehbar, verspricht agiles (Projekt-)Management mehr Effizienz in den Arbeitsläufen, raschere Projektabwicklung durch iterative Testschleifen, bessere Reaktionsfähigkeit auf neue Vorkommnisse auf den Märkten und interdisziplinäres Arbeiten nah an den Kundenbedürfnissen. Unterm Strich schwingt allerdings das gar nicht so agile Heilsversprechen für die CEOs dieser Welt mit: mehr Moneten, weniger Mitarbeiter. „Agilität in letzter Konsequenz zu Ende gedacht, ist nichts anderes als turbokapitalistisches Gedankengut“, sagt Thomas Würzburger, Trainer, Wirtschaftscoach  und Autor des Buchs „Die Agilitätsfalle“ in einem Interview mit der Wirtschaftswoche.

Suggeriert wird: Wer nicht agil ist, gehört gefühlt auf den Schutthaufen der Business-Geschichte. Ein agiler Gruppenzwang sozusagen. Kürzlich hatte ich den Fall der „agilen Collaboration“, als sich eine Agentur und ihr Auftraggeber drei Mal die Woche zum Brainstorming getroffen haben – sicherlich ein Fortschritt zum klassischen Briefing aber: noch lange nicht agil.

 

Zauberwort agil? Ausnahmslose Fehlverwendung

„Ich fürchte, inzwischen ist ausnahmslos jede Verwendung des Begriffs ,agil‘ eine Fehlverwendung. Es sei denn, man ergänzt ihn durch den Zusatz ,entsprechend dem Agilen Manifest‘“, schreibt mir der „Leadership-Philosoph und Management-Exorzist“ Niels Pflaeging auf Twitter. Auf dem sozialen Netzwerk habe ich nämlich auf die Schnelle etwas „agile“ Recherche betrieben. Ach stimmt ja gar nicht, es war nur effizient.

 

Denn immer wieder wird „agil“ gesagt

und doch nur „effizient, schneller, besser“ gemeint.

 

Dabei ist es viel mehr, wenn man sich das  „Agile Manifest“ aus dem Jahr 2001 zu Gemüte führt. 17 Software-Entwickler hatten sich zusammengetan, um effektiver zu arbeiten, nachdem Projekte bei ihren Auftraggebern zwei bis drei Jahre im Rückstand waren, mit manchmal Milliarden Dollar Verlusten (wie der inzwischen verstorbene Manifest-Co-Autor Mike Beedle in diesem Podcast-Interview erzählte). Arbeit in intensiver Einbindung mit den Kunden, ohne aufwändige Dokumentation und in kurzen Abstimmungs- und Adaptionsschleifen sollte Abhilfe schaffen. Scrumist essentieller Bestandteil des agilen Arbeitens, wie auch Design Thinking und Prototyping und Kanban. Viel wesentlicher als die Tools sind allerdings die Werte des Agilen Manifests:

 

Dieser Artikel ist auf dem Blog der WEKA Learning Group erschienen. Wenn du weiterlesen willst, klicke bitte hier: 

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Nicole Thurn

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