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New Work: Illusion oder Chance?

Damit New Work kein nettes Marketing-Experiment bleibt, braucht es mehr als hippe Coworking-Spaces und flachere Hierarchien. Es kommt auf die innere Transformation an - im Unternehmen und in jedem Einzelnen. 

New Work
© Bruce Mars/Pexels.com

Immer wieder werde ich gefragt, was denn New Work konkret sei. Konkret ist an diesem Begriff erstmal gar nichts. Kurz gesagt: New Work ist gemeinhin alles, was sich in der Arbeitswelt verändert. Die einen sind stolz auf ihr neues Großraumbüro, die anderen haben soeben ein agiles Projekt in einer Abteilung eingeführt, die nächsten bieten Home Office und Vertrauensarbeitszeit. All das ist irgendwie New Work – und doch ist es das längst noch nicht – sofern man den Begriff ernst nimmt. Häufig verstehen Unternehmen darunter Methoden, die uns schneller, höher, effizienter weiterbringen. Das ist meines Erachtens ein willkommener Nebeneffekt, aber niemals das einzige Ziel. Denn was wir häufig vergessen: der Ursprung von New Work liegt in einer völlig neuen Sichtweise auf die Arbeit an sich.

  

New Work: Ein Umbruch in der Arbeitswelt

Der Begründer von New Work, Frithjof Bergmann, sah darin die Möglichkeit, sich zu einem Drittel der Arbeitszeit dem Broterwerb zu widmen, zu einem Drittel der Selbstversorgung und zu einem Drittel dem, „was man wirklich, wirklich will“. All das führe zu Ideen, zu Kreativität, zu Innovation und zu einer von gutem Miteinander und Nachhaltigkeit geprägten Gesellschaft. Das Deutsche Zukunftsinstitut sieht New Work als „epochalen Umbruch, der mit der Sinnfrage beginnt und die Arbeitswelt von Grund auf umformt.“ Die rationale Leistungsgesellschaft sei am Ende, jetzt beginne das Zeitalter der Kreativökonomie. New Work stelle die Potenzialentfaltung ins Zentrum. „Arbeit steht im Dienst des Menschen“, heißt es weiter. „Wir arbeiten nicht mehr, um zu leben und wir leben nicht mehr, um zu arbeiten.“ Dabei helfen flache Hierarchien, Coopetition – also die Zusammenarbeit mit vormaligen Konkurrenten – , Mitbestimmung und Mitgestaltung durch die Mitarbeiter bis hin zur Selbstorganisation. All das ist natürlich Ansichtssache und darüber lässt sich streiten. Ich für meinen Teil kann es voll und ganz unterschreiben.

Tendenziell machen sich die Unternehmen auf den Weg – und stehen doch erst am Anfang. Denn noch sind es erste Versuche, das Ausprobieren von Methoden, die Output und Produktivität steigern sollen. Sinn, oder Neudeutsch „Purpose“, wird häufig nur oberflächlich verstanden. Als Tabakfirma einen echten Sinn für die Gesellschaft zu finden, ist vermutlich auch nicht so einfach.

 

Eine echte Auseinandersetzung mit den Unternehmenswerten, die man nicht nur hübsch an die Wände malt, sondern auch tatsächlich lebt: hier stehen viele tatsächlich noch am Beginn.

 

Der Mitarbeiter im Mittelpunkt

Dann gibt es die „radikalen“ New-Work-Pioniere, die ihre Systeme drastisch verändern, wie Bodo Janssen, der in seine Hotelkette Upstalsboom nach Jahren des Effizienzmanagements die spirituelle (Selbst-)Führung hineingebracht hat. Hier geht es nicht um Esoterik, sondern um den persönlichen Lebenssinn jedes Einzelnen – um den Beitrag, den nicht er für das Unternehmen, sondern den das Unternehmen für ihn tun kann. Corporate Happiness, Coaching und eine Entwicklungswerkstatt für Mitarbeiter und Grenzerfahrungen für Azubis per Südpol-Expedition sind nur ein Teil davon. Im Zentrum steht ein radikales Umdenken, in dem jeder Mensch als einzigartiger Potenzialträger gesehen wird, welches wohl viele Geschäftsführer ratlos zurücklässt, aber für eine sehr verbindende und loyale Unternehmenskultur sorgt. Und: Upstalsboom wächst deutlich, auch wenn das Profitstreben nicht mehr so wichtig ist wie früher.

 

Dieser Artikel ist auf dem WEKA Learning Blog erschienen: 

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Nicole Thurn

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