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Arbeit mal anders #16: Komm, lass uns reden!

Bei der Innovationsberatung creaffective gibt's wahre Worte: hier wird über das geredet, über das andere lieber schweigen: Emotionen, aufkeimende Konflikte, Befindlichkeiten. Warum das der Kultur gut tut und wie gewaltfreie Kommunikation wirklich geht, erzählt Jens Springmann.

Jens Springmann
Jens Springmann ist Innovation Coach und Trainer bei der Münchner Beratung creaffective (@ Petra Fritzi Hennemann)

Wenn Jens Springmann heute mit seinen Kolleg*innen spricht, dann tut er das anders als früher. "Gut, ich bin in unserem Team immer noch der, der am meisten Tacheles redet", gibt er zu. Doch seit im achtköpfigen Team der Münchner Innovationsberatung creaffective  vor einigen Jahren die gewaltfreie Kommunikation eingeführt wurde, redet Jens auch über seine Emotionen. "Früher ist mir das sehr schwer gefallen", sagt der Innovation Coach und Trainer. Und auch wenn er in alte Kommunikationsmuster zurückfällt, die andere vor den Kopf stoßen könnten, "kann ich danach einen Schritt zurücktreten, reflektieren und sagen: das war jetzt blöd von mir." 

 

Gerade New Work benötige eine offene Kommunikation, sagt Jens - schließlich geht es da häufig um Selbstorganisation, um den Abbau oder die Abschaffung von Hierarchien. Und damit auch um Emotionen, Kränkungen und Konflikte. 

Emotionen im Job zu zeigen, gilt gemeinhin als unprofessionell.

 

Schon vor elf Jahren hat die Beratung KPMG in einer Studie festgestellt, dass Führungskräfte 30 bis 50 Prozent ihrer Zeit für Konfliktlösung aufwenden, bei den Mitarbeiter*innen waren es  im Schnitt 25 Prozent der Arbeitszeit. Dass in Summe für Unternehmen viel Geld auf dem Spiel steht, nur weil sich die Leute nicht aussprechen, scheint auch heutzutage evident. Und die Sache ist die: konstruktiv zu kommunizieren, haben die meisten von uns nicht in die Wiege gelegt bekommen.

„Das hat mit psychologischer Sicherheit zu tun“, erklärt Jens, denn: „Wenn wir als Kind schon ein Urvertrauen mitbekommen haben, sind wir vielleicht klarer in der Kommunikation als wenn dieses Urvertrauen beschädigt ist.“ 

 

Get emotional

Ob wir wollen oder nicht: „Emotionen sind immer da“, sagt Jens. Und meist unerwünscht, wenn sie zu lange ignoriert wurden, das kleine Kind das Ruder übernimmt und es im Meeting den Kragen platzen lässt. Die gewaltfreie Kommunikation lehre die Kunst, eine Situation nicht zu werten. "Man kann immer den Finger auf den anderen zeigen und sagen: Du A… loch. Weil man enttäuscht ist. Wenn ich aber bei mir bleibe und sage: ich habe wahrgenommen, dass du unsere Abmachung nicht eingehalten hast. Ich bin darüber enttäuscht und es macht mich wütend, weil wir das besprochen hatten, dass uns das wichtig ist" – dann würde das Gegenüber verständnisvoller reagieren, ohne sich angegriffen zu fühlen und vermutlich auch, ohne zurückzuschießen. Davon, seine Wut in sülzende Worte zu kleiden, hält Jens aber nichts: „Die eigene Wut zeigen sollte man sogar." Denn mit der Emotion kommt auch Bewegung ins Spiel. Dazu braucht es aber eine Kompetenz, und zwar: die eigene Emotion früh genug wahrzunehmen.

 

Also, alle, die ihr schon mal genervt die Augen gerollt, die Kollegin angefahren habt oder einen kränkenden Streit hattet: spitzt jetzt die Ohren. Auch für mich als Verfechterin der – naja – direkten Kommunikation konnte ich noch einiges lernen. Was Pseudogefühle sind und wie wir unseren echten Gefühlen auf die Schliche kommen und warum es dennoch nichts bringt, gewaltfreie Kommunikation oder andere Konzepte zu verordnen, erzählt Jens Springmann nämlich in dieser Podcast-Folge.

 

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 Jens Springmann ist übrigens Innovation Coach und Trainer bei der Unternehmensberatung creaffective und nicht Co-Gründer, wie ich im Podcast fälschlich angeteasert habe. 

Jens und seine Kolleg*innen haben ein Buch geschrieben: Future Fit Company (Murmann/ Haufe Verlag, 2020)

Wertvolle Hacks für bessere Kommunikation finden sich im Kapitel "zwischenmenschlicher Raum":

 

Checkin als Ritual: zu Beginn des Meetings eine Runde „wie es mir gerade geht“ spielen und die derzeitigen Stimmungen reflektieren, hilft laut den Autor*innen, den Status quo zu verorten. Und es kann ja auch ganz lustig sein, zu erfahren, dass der Hund des Kollegen auf seine Schuhe gekotzt hat oder die dreijährige Tochter der Chefin den Pyjama anbehalten wollte. Wichtig ist Respekt und Freiwilligkeit: wer nicht erzählen will, muss auch nicht.

 

Spiegeln: eine bewusste Form des Feedbacks durch Kolleg*innen – die uns schließlich am besten kennen. Der- oder diejenige sitzt außerhalb des Gesprächskreises, während das Team sich über die persönlichen Stärken und Schwächen unterhält. Es gibt zwei Durchgänge: einmal mit positvem, einmal mit kritischem Fokus. Wichtig als Voraussetzung, damit es nicht zu "Mord und Totschlag" kommt: vertrauensvolle Atmosphäre, korrekte Durchführung mit ausreichend Zeit, guter Moderation, dem Prinzip der Freiwilligkeit und stets wertschätzender Kommunikation. 

 

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Nicole Thurn

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