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Workation auf Teneriffa: Arbeiten unter Palmen

Arbeiten und Urlaub, und das mit wildfremden Leuten in einer Villa, geht das? Ja. Eine bereichernde Reise ins digitale Nomadentum auf die Sonneninsel Teneriffa.

Privat
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Wir treffen einander in La Modena in einem Cafe mit Blick auf den Strand. Hier im Süden von Teneriffa, ist Sommer, das ganze Jahr über. Die Umgebung ähnelt einer Marslandschaft, es ist November und dennoch hüpfen dutzende Kitesurfer bei 25 Grad über die Wellen. Eva Schubert und Iván Cerdeña Molina haben das Lächeln von Inselmenschen. Die beiden haben vor einem Jahr Sunny Workation gegründet, ein Reiseanbieter für Selbstständige, digitale Nomaden und Teams, die Urlaub mit Arbeit verbinden wollen. Im Urlaub verliebte sich Eva Schubert in die Insel, vor fast drei Jahren wanderte sie von Köln hierher aus. "Begonnen hat es, dass mein Freund und ich mit dem Bully immer wieder zum Kitesurfen nach Holland gefahren sind. Irgendwann haben wir uns die Frage gestellt: eigentlich könnten wir ja auch vom Meer aus arbeiten", erzählt sie. Sie entschieden sich für Teneriffa wegen der ähnlichen Zeitzone und des warmen Winters. Ihr Arbeitgeber spielte mit, ihren Job als Social Media Managerin machte sie remote weiter. "Mein Arbeitgeber war toll, wir hatten alles mündlich vereinbart. Ich habe auf Teilzeit reduziert und das Jobsharing mit einer Kollegin im Office hat gut funktioniert", sagt Eva.

 

Über Freunde lernte Eva Iván kennen, einen IT-Manager mit breitestem Insellächeln. Kurzzeitig hatte es ihn nach Köln verschlagen, die Liebe zur Insel hat ihn zurückgeholt. Als Local Guide ist er unter anderem für die Organisation der Ausflüge zuständig. „Es freut mich, wenn ich den Menschen schöne Plätze der Insel zeigen kann und ihnen etwas über unsere Kultur erzählen kann", sagt er. Auch privat hat Ivan immer wieder Freunden aus dem Ausland die Insel gezeigt. "Die Workation ist für mich wie Urlaub: ich schalte einen Gang bei anderen Projekten herunter."

 

Ab in die Villa Kunterbunt

Nach und nach trudeln die anderen Teilnehmer der Workation ein. Unternehmer, digitale Nomaden, Selbstständige aus Deutschland. Bald fahren wir die Autostraße entlang gegen Norden, im Blick stets den mächtigen Teide, den größten Berg Spaniens.

Anne, die Köchin und Mutter von Eva, empfängt uns in der Villa. Es ist deutlich kühler, mit Blick auf die Palmen finden wir uns zum ersten gemeinsamen Abendessen ein - mit Süßkartoffeln und Papas Negras, frischem Gemüse und Avocados. Importiertes Gemüse findet man hier selten auf den Märkten. Anne koordiniert im echten Leben die technische Abwicklung der Ausgrabungen in Xanten, technische Koordination, kümmert sich um Baumaterialien, um die technischen Zeichner vor Ort. "Hier kann ich meine Leidenschaft zum Kochen ausleben", lächelt sie.

 

Beim Essen lernen wir acht Teilnehmer einander rasch besser kennen. Markus war viele Jahre in der IT-Security tätig und ist selbstständig. Arbeit und Reisen verbindet er immer wieder zu ganz individuellen „Workations“.  Nebenher hat er in einem eigenen Projekt Frauen mit IT-Knowhow unterstützt, jetzt möchte er mehr Sinn in das Leben von Männern um die 40 bringen. In seinen Sinnworkshops exklusiv für Männer soll es um die ganz großen Fragen gehen: Warum bin ich hier? Was will ich vom Leben? Was will ich verwirklichen?

Grafikdesignerin und Illustratorin Kirsten hat in Köln ein Startup mit Freunden aufgezogen, das 3D-Animationen und Illustrationen anbietet. Sie macht ein Mal im Jahr alleine Urlaub, um den Kopf für neue Gedanken freizukriegen. Die Möglichkeit zur Workation entdeckte sie auf Facebook. "Ich hatte heuer schon viel Urlaub und ich muss eigentlich arbeiten. Daher passt die Verbindung zwischen Urlaub und Arbeit super für mich. Und ich muss nicht alleine reisen, sondern kann mich mit anderen Menschen austauschen." 

IT-Experte Jörg ist bereits zum zweiten Mal bei einer Sunny Workation dabei und Lars will endlich einen Gang runterschalten, "ich habe derzeit viel Arbeit und die Idee auszuwandern, gefällt mir immer besser", sagt er. Karin schreibt unter einem Pseudonym Frauenromane, mit der stoischen Gelassenheit einer Wikingerkriegerin und dem trockenen Humor einer Britin will die Kölnerin unter Palmen ihren Roman weiter voranbringen. Das Unternehmerpaar Giovanni und Sarah überlegen, hierher auszuwandern. „In Nürnberg hat es vier Grad und es regnet. Es ist alles so grau. Ich fühle mich gar nicht so zuhause“, sagt Sarah. Auch Giovanni, den gebürtigen Italiener zieht es in den Süden, auf Teneriffa hat es immer ähnlich sonnig und angenehm warm. Und die Regelungen für Unternehmer sind einfacher. Giovanni, Serial Entrepreneur in der Gastronomie, sagt: „Hier treffe ich interessante Menschen mit ähnlichem Mindset: alle sind offen, selbstbestimmt, wollen etwas Neues kennenlernen.“

 

Zum Frühstück gibt es Gofio-Kekse, sie sehen aus wie half-baked und bestehen aus Gofio, dem Mehl gerösteter Weizenweeds. „De los que comen gofio alguno escapa“, zitiert Iván seine Großmutter. Von denen, die Gofio essen, bleiben manche am Leben. Als Kind wollte er nichts anderes essen, erzählt er verschmitzt. Danach gehen wir an die Arbeit. Mit Laptop und Smartphone bewaffnet setzen wir uns auf die Terrasse oder unter die zwei großen Palmen vor der Villa. Es ist kühler als gedacht, doch der Ausblick aufs Meer entschädigt für vieles.

 

Am Nachmittag beschließen wir, unsere Akkus aufzuladen und die Insel kennenzulernen. Iván chauffiert uns über die Serpentinen mit Blick auf den wolkenverhangenen Teides zum Bergdorf Masca. Dann weiter nach Los Gigantes, einer imposanten Klippe am Meer, an deren Aussichtspunkt man auch Delfine und Wale sehen kann, mit ein wenig Glück.

Der offene Blick auf Neues in Urlaubsatmosphäre soll auch Teams zugute kommen: Sunny Workation bietet mittlerweile auch Team Workations an: für Startups oder virtuelle Teams aus Corporates, die sich hier auf der Insel zum Austausch und gemeinsamen Teambuildings treffen und an Projekten arbeiten. Viele haben in ihrem Arbeitsalltag zu wenige Möglichkeiten für eine Auszeit, um zu reflektieren oder einfach die soziale Bindung untereinander zu festigen, sagt Eva.

 

Wir kehren mit frischen Eindrücken in die Villa zurück. Am Abend sorgt eine Klangmeditation einer Klangschalentherapeutin für Tiefenentspannung - sie ist vor drei Jahren aus Deutschland nach Teneriffa ausgewandert. Mit Entspannung geht es auch am Morgen weiter: Evas Yogastunde im Garten gibt uns am nächsten Morgen den Frischekick in den Tag. Dazwischen tauschen wir uns aus, arbeiten wieder im Garten oder in der Villa an unseren Projekten, telefonieren mit Kunden und erzählen ihnen so nebenbei, dass wir gerade unter Palmen sitzen. Doch es steht noch mehr auf dem Programm.

 

Steueroase für Selbstständige 

Wer hierher als Selbstständiger oder als Startup auswandern will, hat leichtes Spiel: neben Dauersonne und Meer lockt auch als Steueroase: im ersten Jahr der Gründung bezahlt man nur 60 Euro Sozialversicherung pro Monat. Auf den Kanaren gegründete Unternehmen bis 5 Mitarbeiter und mit einem Investitionsvolumen von 60.000 Euro bezahlen nur 4,5 Prozent Körperschaftssteuer. Statt der Umsatzsteuer gibt es die sogenannte IGIC mit 7 Prozent. Das erfahren wir auf der hauseigenen Remote-Konferenz, zu der die SunnyWorkation-Gründer am Abend laden. Es kommen digitale Nomaden aus der Umgebung, die über die Vorteile des Remote-Arbeitens berichten, und andere, die auf Teneriffa arbeiten wollen. YouTuber und Entrepreneur Florian Mörbitz berichtet über das Erfolgsmodell YouTube, Elsa Rodriguez Felipe informiert über "Tenerife Work and Play", ein Programm der Regierung für Startups und digitale Nomaden auf Teneriffa. SEO-Consultant David Hachenberg klärt auf, wie man mit den richtigen SEO-Tricks mehr Klicks auf der Webseite generiert.  "Wir wollen Menschen, die hier remote arbeiten wollen, Infos geben, wie sie hierher auswandern möchten", sagt Eva. Dazu betreibt sie auch den Blog  AufderSonnenseite.de und hat den Ratgeber "Erfolgreich auswandern" veröffentlicht. 

 

Nach einem Nachmittag am Meer dient der vorletzte, für mich der letzte Abend der Co-Creation: einer aus der Gruppe trägt sein Problem oder seine Frage vor, die anderen geben Feedback. Die Methode stammt vom US-Amerikaner Napoleon Hill, der Vorschlag selbst kommt aus der Gruppe. Wir sind erstaunt, wieviele Lösungsmöglichkeiten es plötzlich gibt, zu Fragestellungen wie: Wie erreiche ich meine Zielgruppe? Wie konzipiere ich mein Buch? Wie sollte die Story weitergehen? Wie sagt man Nein zu Kunden? Wir alle haben das Gefühl, uns wirklich gegenseitig weitergeholfen zu haben. Wir alle sind so unterschiedlich, einzigartig, dabei respektvoll und genau das ist so bereichernd. Es macht Spaß, den eigenen Horizont durch die Tipps der anderen zu erweitern. Der Abschied fällt entsprechend schwer. Denn es war mehr als Urlaub und Arbeiten – ich habe von wunderbaren Menschen viel gelernt.

 

Die Sunny Workation geht weiter! Von 29.3. bis 5.4.2020 - für alle, die Lust auf Sonne, Meer und Austausch haben. Mehr Infos zum Programm und zu den neuen Team Workations gibt es auf SunnyWorkation.com.

Der Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation.

 

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Nicole Thurn

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