Design Thinking: Mit der Idee in der Hand

Mit Lucy.D bringen die Designerinnen Karin Santorso und Barbara Ambrosz Design Thinking in Unternehmen - nicht nur für Produkt-Innovation. New Work Stories war beim Workshop dabei.

Die Runde - es sind neun Personen - könnte nicht unterschiedlicher zusammengesetzt sein. Ein älterer Unternehmer, eine Maturantin, eine Büroangestellte, ein Wermuth-Produzent, eine HR-Chefin, eine Mitarbeiterin im Bereich Bürolösungen, ein Innovationsmanager, eine Designerin und ein Organisationsberater: alle wollen wissen, was es so auf sich hat mit dem sagenumwobenen Design Thinking. Gehört haben wir alle bereits davon und einigen schwant: sie müssen später noch basteln. Doch so genau weiß keiner von uns, was Design Thinking nun konkret macht und kann. 

 

Karin Santorso und Barbara Ambrosz wissen es zum Glück. Die beiden Designerinnen und Gründerinnen des Designbüros Lucy.D haben seit 2003 Design Thinking für ihre Ideen und Entwürfe angewendet, "noch lange bevor der Begriff überhaupt hier bekannt wurde", sagt Barbara Ambrosz. Sie haben etwa innovatives Büro-Interieur konzipiert, ein Baukastensystem für individuelle Design-Torten einer Bäckerei realisiert, einen stylischen Teelöffel aus Stahl entwickelt. Und lassen futuristische Holzmöbel und Lampen von einem Roboter designen. Nun bieten sie auch Workshops für interessierte Privatpersonen und Unternehmen an: In eineinhalb Stunden holen wir uns heute erste Kostproben zu dem, was Design Thinking schaffen kann. 

Viel länger dauert auch ein Design Thinking Prozess nicht. Drei Stunden reichen in der Regel, man kann auch auf Tagesworkshops ausweiten, sagen die beiden. 

 

Unsere Aufgabe für heute ist: wir entwickeln gemeinsam in zwei Teams unsere ideale Pause am Arbeitsplatz. Das erfrischende Motto nach einem gestressten Arbeitstag: "Mut zur Faulheit". Zuerst erzählen wir in Zweiergrüppchen, was für jeden von uns überhaupt eine Pause ist. "Entspannung", sind sich der Wermuth-Hersteller und der Organisationsberater einig. Der Unternehmer sagt, er möchte vermeiden, dass er eine Pause braucht. De facto, so sagt er, macht er aber auch eigentlich keine Pausen. "Außer Rauchen." Wir sammeln Ideen, schreiben sie auf ein Plakat und sollen dann in "pains" und "gains" unterteilen.  Gar nicht so einfach. Mit Kollegen plaudern, den Kopf freikriegen, in die Natur gehen: das finden wir alle gut. Dass aber auch die Klopause oft als solche zählt, wir in der Pause dann doch wieder nur über die Arbeit reden und es weit und breit in der Firma keinen akzeptablen Ort gibt, um mal abzuschalten, finden wir weniger gut. "Und jetzt", sagt Karin Santorso, während sie Legosteine und Plastilin auf dem Tisch drapiert, "baut ihr gemeinsam eure ideale Pause." Basteln, oh nein. Darin war ich noch nie gut.

 

Basteln unter Druck

Karin Santorso beruhigt: "Ums schön Basteln geht es uns nicht." Wir müssen uns auf einen Aspekt einigen und nehmen den "Ortswechsel", der für eine gute Pause nötig ist. Wir sollen dafür Beispiele liefern. Die Angestellte aus dem Unternehmen für Bürolösungen plaudert frei raus: eine Wand hätte sie gern, auf der man mit Materialien experimentieren kann, rumbauen, rumstecken. Ich bin für Yoga auf der Terrasse, ein Kollege geht gern in die Natur. Wir beschließen, all das zu vereinen. "Zehn Minuten Zeit", ruft Santorso. Jetzt muss es schnell gehen. Ein wenig Plastilin und die Wand steht samt Fenster und Kreativzeug, daneben eine lustige Legomauer. Zwei Legomännchen aus Star Wars machen in ihren Kampfanzügen auf Matten den Sonnengruß. Wir sind zufrieden.  Zeitdruck ist gut, sagen die Trainerinnen. Erst so entstünde rasch und konstruktiv Neues, ohne viel Diskussion.

Dann vergleichen wir unser Ergebnis mit Team zwei. Wir staunen: Sie haben ein "Positiversum" gebaut, ein lichtdurchflutetes Wellness-Areal mit Ortstafel, Yoga am Dach, einem grünen Baum in der Mitte, Liegestühlen und einem Teich. In zehn Minuten nicht nur auf einen grünen Nenner mit vier, fünf Fremden zu kommen, sondern auch noch etwas erstaunlich Kreatives zu erschaffen, ist also möglich.

"Design Thinking liefert Ideen und ist gleichzeitig ein Teambuilding-Prozess", sagen die beiden Trainerinnen. Das Wichigste daran sei: "Die Idee wird mit den Händen gebaut." Dadurch prägt sie sich viel besser ein. Man kann sie angreifen, darüber sprechen. Das Tun mit den Händen führe oft zu weiteren Ideen.

Beim Vortrag zu Beginn haben wir erfahren: Der Prozess ist nicht ganz so einfach. Hier gibt es verschiedene Phasen. Verkürzt sind das:

1. Verstehen: Mit den Mitarbeitern (Kunden) Interviews führen über ihre Vorstellungen, Erwartungen zu einem Thema

2. Beobachten: Die Mitarbeiter (Kunden) in ihrem Arbeitsalltag beobachten.

3. Sichtweise definieren: Worum soll es konkret gehen? Was ist das Ziel?

4. Ideen finden

5. Prototyp testen und weiterentwickeln

 

Die meisten von uns möchten jetzt gern mehr erfahren. "Ich überlege gerade, wie wir das Design Thinking in meinem Unternehmen anwenden könnten", sagt eine Teilnehmerin. In der Regel wird Design Thinking noch in der Produktentwicklung und Produktinnovation angewendet, aber auch für die Gestaltung der neuen Arbeitswelt und neuer Arbeitsabläufe ist das Tool sehr spannend. Genau das wollen die beiden Trainerinnen auch anbieten: über maßgeschneiderte Workshops für Teams in Unternehmen.

 

Kontakt & weitere Infos zu den Workshops auf Lucyd.com.

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