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Nächster Job, bitte: Nimm, was du hast

Der Job nervt, aber wie soll es 2019 anders werden? Mit dem smarten Ansatz von Effectuation gehst du unternehmerisch an dein Karriereprojekt heran. Das Credo: Sei effektiv und handle jetzt.

Die Zahlen klingen erschreckend: Zwei von drei Angestellten in Deutschland machen Dienst nach Vorschrift. Zu viele Menschen bleiben frustriert oder zumindest latent unzufrieden in ihren Jobs hängen. Sie träumen davon, ihr eigenes Café zu eröffnen, nochmal von vorn anzufangen, Coach statt Anwalt zu sein oder Biochemikerin statt Lehrerin. Doch Träume sind Schäume und was für Naivlinge, oder?

 

Nicht unbedingt. Erstens gibt es Menschen, die sehr wohl ihre Träume umgesetzt haben. Und zweitens sollte man zwar groß denken, kann aber auch im Kleinen etwas tun. Effectuation ist ein unternehmerischer Ansatz, der neue Gestaltungsräume eröffnet, den Blick weitet und uns rasch ins Tun bringt. Saras Sarasvathy von der University of Virginia hat diesen Ansatz entwickelt. Sie ist Expertin für Entrepreneurship, Kognitionswissenschaften und Verhaltensökonomie und Gründerin diverser Unternehmen in ihrem Herkunftsland Indien.

 

Sie hatte 27 Gründer von sehr erfolgreichen Unternehmen eine Case Study erarbeiten lassen und deren unternehmerisches Denken analysiert. Das Ergebnis: Die Gründer gingen an Produktentwicklung und Problemlösung sehr pragmatisch heran. Keiner von ihnen hatte einen klaren Weg zum endgültigen Ziel definiert. Sie setzten einfach die Schritte, die sie in der jeweiligen Situation bereits tun konnten.

 

Effectuation wird eingesetzt, wo klassische Management-Ansätze verlieren. In Zeiten, in denen Ziele kaum planbar sind und rasche Entscheidungen erforderlich sind.

 

Das Prinzip lässt sich auch auf die Karriereplanung umlegen und ist eigentlich gar kein Planungstool. 2019 soll sich einiges ändern? Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Weichen zu stellen. Wir können die Zukunft nicht vorhersagen, daher können wir sie auch nicht planen. Die kausale Wenn – Dann Logik greift in komplexen Zeiten also zu kurz.

Die Spatz in der Hand-Logik: Beginne mit dem, was du hast. Oft glauben wir, wir müssten noch diese und jene Erfahrung machen, diese Sprache erlernen, diesen Lehrgang absolvieren, um losstarten zu können. Doch das ist für die ersten Schritte so gut wie nie nötig. Saras Sarasvathy beschreibt drei Ebenen, an denen du ansetzen kannst:

 

- Wer du bist: Das sind deine Profession, dein Beruf, deine bisherigen Karriere-Stationen ebenso wie deine Stärken, deine Motive, Erfahrungen und deine Interessen und deine Werte. Was ist dir wichtig? Was treibt dich an? Was kannst du gut? Und was davon machst du tatsächlich gern? Es reicht nicht, Dinge erfolgreich zu stemmen, viel wichtiger ist für längerfristigen Erfolg und das dazugehörige Durchhaltevermögen, Dinge gut und gerne zu tun.

 

- Was du weißt: Wir alle haben uns im Laufe der Jahre viel Wissen und Fähigkeiten angeeignet. Bewusst ist uns das allerdings meist nicht. Wir sind häufig zu stark auf unsere Defizite ausgerichtet und übersehen, was wir schon alles mitbringen und können.

 

- Wen du kennst: Ein Netzwerk aus spannenden Leuten kann uns bis dato unbekannte Türen öffnen. Frag dich systematisch – oder auch nach Intuition und Sympathiefaktor – mit wem du gut kannst, von wem du etwas lernen kannst, aber auch, was du zu dem-oder derjenigen zu geben hast. Denn es geht um kontinuierlichen Beziehungsaufbau, nicht um ein „Verschaff‘ mir einen Vorteil“-Networking.

 

Erfolge realisieren statt Niederlagen vermeiden: Effectuators setzen alles daran, ihre Ideen umzusetzen. Sie lassen sich von der Angst vor einer Niederlage – die mitunter auch bei ihnen vorhanden ist - nicht von ihrem Weg abbringen. Das Credo lautet: wenn ich handle, könnte es schiefgehen. Wenn ich nicht handle, hab ich schon verloren. Sieh' deine künftige Karrieregestaltung als dein persönliches Projekt und gib ihm hohe Priorität: denn in einem Job zu bleiben, der unglücklich macht, ist keine langfristige Perspektive.

 

Affordable-Loss-Prinzip: Effectuators setzen einen Schritt nach dem anderen mit den Mitteln, die ihnen jetzt gerade zur Verfügung stehen. Sie wägen ab, wieviel Verlust für sie in Ordnung geht und gehen dann passend Risiken ein. Sie setzen nicht alles auf eine Karte. Auf die Karriere umgemünzt heißt es: Den Job einfach hinschmeißen und arbeitslos zu werden, ist wenig sinnvoll. Besser: Stunden reduzieren, sich nebenbei sozial oder anderweitig zu engagieren, um sich im gewünschten Berufsfeld auszuprobieren. Also: wenn der Traum das eigene Cafe ist, mal ein Wochenende in einem Cafe auszuhelfen. Oder einen Coach begleiten, um dessen Arbeit nachvollziehen zu können. Oder: Einen Tag in einem Labor mithelfen, wenn das möglich ist. Sogenannte Schnuppertage gibt es durchaus auch für Erwachsene - einfach informell anfragen.

 

Crazy-Quilt-Prinzip: Effectuators weben ein buntes Netzwerk aus Kooperationspartnern, die bereit sind, hier und jetzt mit ihnen gemeinsame Projekte im losen Verbund umzusetzen. Das ist auch bei der beruflichen Neuorientierung möglich: Suche Menschen, die das tun, was du gern tun würdest, die bei deinem Wunscharbeitgeber arbeiten, oder die Weiterbildungen dazu anbieten. Vernetze dich mit ihnen, schreib sie auf Social-Media-Kanälen an und tausch dich mit ihnen aus. Das hilft, Erwartungen geradezurücken und motiviert: denn dein personifizierter Berufswunsch schreibt oder sagt dir nicht nur, wie die Realität aussehen kann, sondern auch, wie man es schafft. Und wenn andere es schaffen, warum nicht auch du?

 

Lemonade-Prinzip: Mache aus Niederlagen oder Sackgassen die sprichwörtliche Limonade. Wenn wir vom geplanten Weg abkommen und uns verirren, erwarten uns manchmal die besten Überraschungen und neue Erkenntnisse. Die schönsten Dinge im Leben passieren, während wir anderes planen. Lass dich daher auch von spontanen Eingebungen, deiner Intuition, von Zufällen und Überraschungen leiten. Wer weiß, was sich ergibt. Serendipity rules!

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Nicole Thurn

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