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Veränderungsjunkie in der IT-Branche

Er schraubte die ersten PCs zusammen, durchlebte die DotCom-Blase und war stets ein "very early Adopter": Der Wiener IT-Unternehmer Willy Klenner ist auf allen Wellen der IT-Trends geritten. Sein Credo: "Liebe die Veränderung."

„Das ,Gehirn' [der Computer] könnte eines Tages auf unser Niveau kommen

und bei unseren Einkommensteuer- und Buchhaltungsberechnungen helfen.

Aber das ist Spekulation und es gibt bisher keine Anzeichen dafür.“

 

Die britische Zeitung "The Star" im Juni 1949

über den Großrechner EDSAC

 

Das Fassadenfenster des Büros mitten in der Seestadt Aspern ist mit einer Comiclandschaft verziert. Ein Männchen mit weißem Rauschebart hüpft darin fröhlich umher. Willy Klenners Alter Ego vermittelt Spaß am Job – und der kommt bei ihm nicht zu kurz. Der IT-Unternehmer hat gern ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen, Selbstironie in den Worten und Rammstein in den Ohren. Er wirkt wie die coolere Version des Weihnachtsmanns.

 

Als Netzwerktechniker und IT-Fachmann ist er zur Stelle, wenn’s funkt, brennt oder hackt. Und das nicht erst seit gestern. Willy ist ein alter Haudegen in der Branche. Er hat schon an Rechnern geschraubt und Kabeln verlegt, da waren PCs in Österreich noch Luxusware.

 

1960 – 1969

1960:

Der im Vergleich zu Großrechnern deutlich kleinere IBM 1401 ist das neue Herzstück der Elektronischen Datenverarbeitung.  

Der erste „Minicomputer“ PDP-1 von der Firma DEC (so groß wie zwei Kühlschränke) kann nur von einer Person hochgefahren werden.

1968: im Auftrag der US-Luftwaffe geht das ARPANET online, das US-Unversitäten miteinander vernetzt.

1969: Die Universität Hawaii gründet mit „Aloha-Net“ den Vorläufer des WLAN.

 

Vor dreißig Jahren machte er sich als IT-Fachmann selbstständig. „Die ganze Computerei war noch in den Kinderschuhen“, sagt Willy mit heller Stimme und zwirbelt sich den Bart. Damals schraubte er Motherboard, Gehäuse, Speicher und andere Komponenten erst für Freunde und bald für Firmen zusammen. Mit dem ungarischen Händler auf der Taborstraße verhandelte er über vier Megabyte Hauptspeicher – das entspricht heute einem Urlaubsfoto in Posterformat.  Mit einem Kumpel vom Bundesheer bot er IT-Schulungen an, die etwa hießen: „Unser oberstes Ziel: Die Angst vor dem Computer nehmen“.  

 

Dass Willy irgendwas mit Technik machen wollte, war ihm schon im Alter von zwölf klar, als er Ataris Videospiel „Pong“ am Fernseher spielte. Zwei Striche und ein Punkt reichten damals noch für den Spielespaß. Der Nachbar hatte den ersten Computer weit und breit und Willy stand fast täglich bei ihm auf der Matte. „Ich habe oft minutenlang geklopft, bis er mir endlich die Tür aufgemacht hat“, lacht er. Der Nachbar zeigte ihm den "Video Genie", der auf Audiokassetten Programme speichern konnte. Willy kaufte sich kurz darauf den Sinclair ZX80, den er sechs Monate später auf einen ZX81 aufrüstete. Während die anderen Jugendlichen im Freibad planschten, brütete der „faule Willy“, wie er ironisch sagt, über binären und hexadezimalen Ziffern.

 

1970 – 1979

1972: Atari stellt das Videospiel Pong für Fernseher vor. Es besteht aus zwei Strichen und einem per Controller steuerbaren Punkt.

Der US-Informatiker Ray Tomlinson erfindet nebenbei das e-Mailprogramm. In seiner ersten Mail an seine Arbeitskollegen erklärt er das @-Symbol.

1976: Steve Wozniak veröffentlicht mit Apple I den weltweit ersten PC. Empfohlener Verkaufspreis: diabolische 666,66 US-Dollar.

 

Ein paar Jahre später, 1983, begann Willy bei Kapsch seine Lehre zum Nachrichtenelektroniker. Zu einer Zeit, als es im Unternehmen hauptsächlich Großrechner gab. Willy landete im technischen Kundendienst des Unternehmens. Nebenbei gründete er mit seiner damaligen arbeitsuchenden Freundin ein Schreibservice für Akademiker, mit einem der ersten Laserdrucker aus den USA. In seiner Freizeit baute er Computer zusammen. Dann bekam die Firma Kapsch Wind davon und bestellte bei ihm diverse Hard- und Software – der Arbeitgeber wurde also gleichzeitig zum Kunden. Eine intensive Angelegenheit.  „Ich habe von 5 bis 8 Uhr früh für meine Firma gearbeitet, bin dann zu Kapsch gefahren und habe dann ab 18 Uhr in meinem Büro bis ein Uhr nachts für mein Unternehmen gearbeitet“, erzählt Willy. Klingt anstrengend, aber: „Mir hat es getaugt, dass die Leute mich als Experten gesehen haben.“ Um den Erlös der verkauften Computer kaufte er neue Komponenten für den nächststärkeren Computer und so ging das Spiel weiter – bis Willy beschloss, seinen Angestelltenjob an den Nagel zu hängen und sich völlig selbstständig zu machen.

 

1980 – 1989

1981: IBM sorgt mit dem IBM Personal Computer für einen Industriestandard, Firmen wie Intel, Sinclair, Commodore und Schneider folgen in den nächsten Jahren.

1983: Der neue Apple Lisa hat eine integrierte Mouse. Der Preis von 10.000 US-Dollar verkauft sich schlecht.

1984. An der Universität Karlsruhe wird die erste deutsche E-Mail empfangen. Das Domain Name System (DNS) wird implementiert.

1985: Als erste Domain wird Nordu.net registriert.

1988: Die Firma Lucent bietet das „Wave-LAN“ an, eine WLAN-Technologie.

1989: Der britische Forscher Tim Berners-Lee entwickelte am CERN in Genf das World Wide Web, um die Kommunikation zwischen Forschungsinstituten weltweit zu erleichtern. So sah die erste Webseite der Welt aus: WWW.

 

 

Wellen und Frequenzen

Die Entwicklung der IT-Branche der vergangenen Jahrzehnte bezeichnet Willy als „Wellenbewegungen in verschiedenen Frequenzen“. Und auch er selbst hat sich weiterentwickelt, als Chef, als Unternehmer und persönlich. „Früher habe ich jeden eingestellt, der mir sympathisch war“, erzählt er. Und auch das geschah in Wellenbewegungen. Mal hatte IT-Dienstleister Klenner sieben, mal keine, dann wieder drei Mitarbeiter. „Wir hatten immer wieder große Kunden, mit denen wir gewachsen sind“, so Willy. Gerade nach dem Platzen der Dotcom-Blase war es allerdings schwierig. Willy machte nach einer Phase mit drei Mitarbeitern alleine weiter, um gesundzuschrumpfen. „Das war viel Arbeit, aber es war ok.“ Der 50-Jährige tut sich sehr leicht mit Veränderung, eigentlich ist er ein Veränderungsjunkie. „Ich könnte problemlos heute noch nach Schottland ziehen und wäre dann eben in Schottland. Neues freut mich prinzipiell, ist eine Challenge und gibt mir Energie.“

 

Doch eine Konstante gibt es in Willys Leben. Seine heutige Frau Andrea hat er in der Kapsch-Kantine kennengelernt, „so nach dem Motto: ‚Isst du das noch?‘“, grinst er.  Sie arbeitet heute bei Klenner.at und ist für das Controlling zuständig.

 

Er war immer ein „very early Adopter“. Den Psion Personal Organizer trug er in den 1980ern in der Bauchtasche herum, im Jahr 2000 hatte er eines der ersten Tablets, das Compaq TC-1000, samt Stift, mit dem man am Bildschirm schreiben konnte. Virtual Reality sei nicht so spannend wie die Mixed Reality mit der Microsoft Hololens, „dafür spare ich schon“.

 

1990 – 1999

1990: Das Internet wird für kommerzielle Nutzung freigegeben.

1992: Das Forschungsprojekt EUnet wird privatisiert und ist somit der erste kommerzielle Internetprovider Deutschlands.

1993: Am CERN wird das World Wide Web erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
1995: Die Programmiersprache JAVA wird entwickelt.
1996: Das erste Smartphone, das Nokia Communicator 9000, kommt auf den Markt – um umgerechnet 1400 Euro.

1997: Rund sechs Millionen Computer sind mit dem Internet verbunden.
1998: Google wird gegründet.

1999: Apple macht mit dem iBook und Basisstation das WLAN salonfähig.

 

Angst und Weitermachen

 

Doch wie geht Willy mit Niederlagen um? „Die Existenzangst ist schon immer im Hinterkopf, wenn man einen Kunden verliert. Aber in Wirklichkeit ist die Auftragslage wie ein Gefäß: Ist es leer, füllt es sich bald wieder", lautet seine lapidare Antwort. Das Neinsagen falle ihm bei Kundenanfragen immer noch schwer, „einfacher ist es, wenn ich mich nicht wertgeschätzt fühle.“ Wirklich schlimm sei allerdings nur eines: „Was mich tötet, ist: ein Problem zu haben und keine Lösung. Probleme lösen macht mir Spaß.“ Ein Angestelltenjob kann er sich nicht vorstellen: „Die Sorgen wären einfach nur andere. In einem hochdotierten Job würde ich mindestens so viel arbeiten und müsste wahrscheinlich auch reisen.“ Der Vater von 16-jährigen Zwillingen will das aber nicht. Sorgen macht ihm allerdings aktuell schon, dass er einfach keine/n Techniker/in findet. Der Markt scheint ausgetrocknet, die Hoffnung aufgeben will und kann er nicht: "Wir haben so viel zu tun, es geht immer irgendwie weiter." (siehe Jobinserat unten)

 

 

2000 – 2009

2000: Der Anleger-Run auf börsennotierte Internet-Unternehmen führt zu überhöhten Unternehmensbewertungen

und zum Platzen der „DotComBlase“

2001: Das erste internetfähige Tablet SIMPad von Siemens findet keine Abnehmer.

2004: Facebook geht online

2005: Das erste YouTube-Video geht online
2006: Twitter-Gründer Jack Dorsey sendet den ersten Tweet

2007: Apple stellt das erste iPhone vor

 

Getting things done

 

Das Los des Selbstständigen ist: irgendwie muss man sich selber organisieren. Willy fühlte sich meist wie ein chinesischer Tellerdreher, „mit allen möglichen To Do’s in der Luft“, wie er sagt. Irgendwann stieß er auf den Ansatz „Getting Things Done“, eine Selbstmanagement-Methode von David Allen. „Diese Methode hat als einzige für mich funktioniert“, sagt er. Man schreibt alle To Dos und Aufgaben verschriftlicht und dann systematisch nach verschiedenen Kriterien geordnet und als Projekte abgearbeitet. Nach Priorität wird nicht eingeteilt, sondern nach Kontext, also dem Arbeitsumfeld. Das bedeutet: Im Auto Kundenanrufe tätigen, vor dem Meeting noch eine rasche Sache erledigen, abends das tun, was Ruhe benötigt. Dabei on track zu bleiben sei nicht einfach. Dann heißt es: „zehn Minuten hinsetzen, nachdenken und erledigen“.

 

Auch momentan hat er viel auf seiner Liste stehen, „neue Produkte, neue Vertriebskonzepte“, die er ausprobieren will. Nur Zeit hat Willy gerade nicht. Er möchte sich stärker um den Vertrieb kümmern, sobald er eine/n Techniker/in gefunden hat.

 

2010 – 2018

2010: Apple stellt das iPad vor

Erstmals wird ein Rechner im Weltraum mit dem Internet verbunden.

2017: Mehr als 200 Millionen Menschen haben erstmals ein mobiles Gerät erhalten.

2018: Es gibt mehr als 4 Milliarden Internet-User weltweit. 3,2 Milliarden Menschen nutzen Social Media.

 

Einige Kunden, für die Willy vor 30 Jahren die Büros ausgestattet hat, sind immer noch seine Kunden. Wichtig ist ihm, seinen Kunden rasch und mit hoher Qualität helfen zu können. „Erst dann bin ich zufrieden“, sagt Willy verschmitzt. Und das ist für die Kunden dann doch ein bisschen wie Weihnachten.

 

In seinem familiär geführten Team mit viel Humor sucht Willy Klenner gerade nach einem bzw. einer kundenorientierten, effizienten IT-Techniker/in mit Berufserfahrung, viel Engagement, Eigeninitiative und Lust an der Problemlösung. Im modernen Büro in der Seestadt Aspern wartet eine familiäre Unternehmenskultur auf  sie oder ihn. Hier geht's zum Jobinserat.

 

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Nicole Thurn

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